Um die Wurst

Die Currywurst

Nein, die Frage, wer denn nun eigentlich wann (und vor allem wo!) die Currywurst erfunden hat, kann auch an dieser Stelle nicht letztgültig geklärt werden. Wir plädieren einfach mal für Herta Heuwer und ihren Imbissstand an der Kantstraße, Ecke Kaiser-Friedrich-Straße.

Dort immerhin hängt eine Gedenktafel, die eine gewisse Verbindlichkeit suggeriert. Am 4. September 1949 also sei es zur historischen Vereinigung von Bratwurst und Currysoße gekommen. Und die Geschichte mit Herta Heuwer passt wunderbar, weil die Geschichte der Currywurst ohnehin eine der Emanzipation ist. Von der bürgerlichen Esskultur und den, nun ja, Manieren beispielsweise.

Und bald darauf emanzipierte sich die Wurst gar vom Darm, wobei die Frage, ob mit Darm oder ohne, noch immer eine des Glaubens ist.
Am kundigsten diskutiert vermutlich bei oder besser gesagt vor Curry 36 am Mehringdamm.

Nur mehr im medialen Gedächtnis parkt indes die vielleicht schönste Emanzipationsgeschichte des Nachkriegsfernsehens. Mit den „Drei Damen vom Grill“ wurde der Wurstkultur als resolute – stets lösungsorientierte – Weiberwirtschaft ein Denkmal gesetzt. Brigitte Mira, Brigitte Grothum und Gabriele Schramm grillten in den ersten Staffeln übrigens am Nollendorfplatz. Besser war sozialrealistisches Vorabendfernsehen vielleicht nie mehr.

Die Currywurst hingegen sollte besser werden. Am Kurfürstendamm begleitet vom Champagner als exzentrisch-derbe Berliner Mischung. In der Kreuzberger Markthalle Neun als Biowurst vom Havelländer Apfelschwein an Wildkräutersalat. Auch eine Emanzipationsgeschichte ist indes jene von der Konnopke-Dynastie, Ecke Schönhauser. Nur war es in diesem

Fall der Sohn, der sich von der Mutter Waltraut Ziervogel – noch eine selbst ernannte „Mutter der Currywurst“ – abnabeln sollte. Die Boulevardpresse hatte ihren „Currywurst-Krieg“. Und Mario Ziervogel seit 2012 sein eigenes Schnellrestaurant Kult Curry in Fritteusenfettduftweite der Imbissbude seiner Mutter. Ist aber genug Platz für alle da. Jahr für Jahr gehen in Berlin schätzungsweise 70 Millionen Currywürste über den Tresen. Ein Denkmal in Form eines Currywurst-Museums wurde ihr auch schon gesetzt. Nur die kalkulierte Dekadenz, die proletarische Brühwurst mit Blattgold zu garnieren, ist glücklicherweise wieder aus der Mode gekommen. CN/FD

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