Kino

Die Einzelteile der Liebe

„Du Arschloch! Ich hasse Dich!“ – verzwei­felte Worte, die Sophie ihrem im Auto flüchtenden Ex Georg nachschleudert. Mit im Auto: Sophies Sohn Jakob. Was in den sechs Jahren vor dieser „Entführung“ los war zwischen Georg und Sophie, ­davon erzählt Miriam Bliese in einer Art Kammerspiel im Freien. Die „Einzelteile“ basieren auf Blieses Kurzfilm „An der Tür“. Die Prämisse, einen ganzen Film fast ausschließlich an einem Schauplatz spielen zu lassen (vor einer Hausfront im Berliner Hansaviertel), die spinnt Bliese nun auf faszinierende Art fort.

Es geht um die Fährnisse einer normal unnormalen Liebesbeziehung rund um das Berliner Kreativmilieu. Georg ist Architekt, Sophie hat sich mit schlecht bezahlten Konzertkritiken über Wasser gehalten. Musik spielt eine wunderbare Rolle: In der schönsten Szene sitzen Sophie, Georg und Jakob auf einem Rasen: Zu dritt singen sie „Liebeskummer lohnt sich nicht.“ Wie sich dabei die längst getrennt lebenden Georg und Sophie immer verstohlenere Blicke zuwerfen, als würden sie sich aufs Neue verlieben, das zeugt von Regie- und Schauspielkönnen.

Es geht hier – das macht den Film auch über seine Stärken als Beziehungsdramödie hinaus interessant – auch um die Einzelteile der gezeigten Architektur. Bei aller formalen Strenge ist dieser Abschluss-Film der dffb von großer Lebensnähe und ­Vitalität.

D 2019, 97 Min., R: Miriam Bliese, D: Ole Lagerpusch, Birte Schnöink, Andreas Döhler, Start 22.8.

https://www.zitty.de/event/kino/die-einzelteile-der-liebe/