Kino

Die Flügel der Menschen

Erst spät hat der Mann, den alle Centaur nennen, eine taubstumme Frau ­geheiratet und mit ihr einen Sohn bekommen. Centaur ist ein Romantiker, der einem ursprünglichen Kirgisien nachtrauert, einer Kultur, in der die Menschen eng mit den Pferden und ohne die materiellen Statussymbole der neueren Zeit lebten. Zudem ist Centaur ein Cinephiler: wenn er einen Film auspackt, dann prüft er das Zelluloid, als verkoste er einen Wein. Gern zeigt er „Der rote Apfel“ von Tolomush Okeyev, nach Tschingis Aitmatovs Buch.

Die Flügel der Menschen

In Aktan Arym Kubats Film geht es um eine traditionelle Lebensform, in die eine Saat des Misstrauens dringt. Der arglose Held (gespielt vom Regisseur selbst) zieht das Interesse einer anderen Frau auf sich, weil er nicht so ist wie die anderen Männer im Dorf. Sofort wird ihm unterstellt, er hätte eine Affäre. Während die Frauen tuscheln, ziehen muslimische ­Missionare herum und sammeln Spenden für die Hadj, die Pilgerreise nach Mekka, die auch Centaur „reinigen“ soll.

Seit seinem internationalen Erfolg mit „Beshkempir“ hält Aktan Arym Kubat nahezu im Alleingang das Kino des zentralasiatischen Landes Kirgisien hoch. „Die Flügel der Menschen“ ist eine Bearbeitung lokaler Mythen, in der wohl auch ein Selbstporträt des Regisseurs steckt. Ein sehenswertes! 

„Centaur“, KIR/NL/F/D/J 2017, 89 Min., R+D: Aktan Arym Kubat, D: Nuraly Tursunkojoev, Zarema Asanalieva, Start: 28.12.

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