Westernmelodram

Die Frau, die vorausgeht

Sitting Bull, der Häuptling vom Stamm der Lakota-­Sioux, ist der wohl bekannteste Indianer der US-Pionierzeit, während der die indigene Bevölkerung weitgehend ausgerottet wurde. Am 15.12.1890 wurde er getötet. Da war er 59, verbraucht und von Entbehrungen gezeichnet.

In dieser romantisierenden Episode aus seinem letzten Lebensjahr erscheint er als attraktiver Mann mittleren Alters, der von einer gebürtigen Schweizerin bewundert wird. Die Malerin Catherine Weldon ­reiste 1889 mit ihrem Sohn (der im Film gar nicht vorkommt) ins Standing Rock ­Reservat, um Sitting Bull zu ­porträtieren. Sie lebte dann eine Zeit lang bei seiner Familie und wirkte als Sekretärin und Rechtsberaterin.

Foto: TobisFilm/Richard Foreman

Hier wird ihre Beziehung nun fiktional verklärt und als Variation des zeitlosen Romeo-und-Julia-Dramas bildschön in Szene gesetzt; mit einer überragenden Hauptdarstellerin (Jessica Chastain), grandiosen Prärie-Totalen und ohne Kampf­sequenzen. Nach vorsichtiger ­Annäherung kommt es bei Gitarren- und Violinklängen zum Tête-à-tête im Wigwam. Das Wildwest-Ambiente ist wie in den alten Winnetou-Filmen geschönt; die gewaltsamen Landraubpraktiken sind andeutungsweise, im Kern historisch richtig dargestellt. Sie bilden aber nur den Rahmen für eine platonische Liebesgeschichte, die letztendlich zur Geschichtsverkitschung führt. 

„Woman Walks Ahead“, USA 2017, 102 Min., R: Susanna White, D: Jessica Chastain, ­Michael Greyeyes, Sam Rockwell, Start: 5.7.

Die Frau, die vorausgeht

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