Literarisches Filmessay

Die Geträumten

Der Briefwechsel zwischen Ingeborg Bachmann und Paul Celan

ZITTY-Bewertung: 5/6
ZITTY-Bewertung: 5/6

Zwei Menschen in einem Tonstudio: Anja Plaschg – viele kennen sie als Musikerin unter dem Namen Soap & Skin – und Laurence Rupp; sie in der Rolle der Ingeborg Bachmann, er in der Paul Celans. Aber Plaschg und Rupp spielen dieses berühmte Dichterpaar nicht, deren Briefwechsel „Herzzeit“ auf über 300 Seiten nachzulesen ist.

Anja Plaschg, Laurence Rupp
Die Geträumten/Österreich 2015/Regie: Ruth Beckermann
Foto: Grandfilm

Nein, Ruth Beckermann inszeniert und beobachtet in „Die Geträumten“ zwei Sprecher bei der Arbeit. Einer Arbeit, die das (Vor)Lesen umfasst. Aber auch das (Nach)Fühlen und das Nachdenken. Und selbst bei den Pausen der beiden ist die Kamera dabei, denn die sind wichtig. In ihnen werden Plaschg und Rupp wieder als eigenständige Personen erkennbar, die wiederum hin und wieder auch eine Vermischung mit Bachmann und Celan eingehen.

Ingeborg Bachmann und Paul Celan lernten sich im Wien der Nachkriegszeit kennen, sie 21 Jahre alt, er 27. Ende Juni 1948 begann der Briefverkehr, der sich bis 1961 erstreckte.

Gemeinsam mit Ina Hartwig hat Beckermann die Briefe für diesen Film aufbereitet. „Die Geträumten“ folgt einer strengen Gestaltung, einem reduzierten Konzept. Doch in der Reduktion wird viel möglich. Das ist auch den schönen, empfindsamen Gesichtern Rupps und Plaschgs zu verdanken, die in Großaufnahmen häufig über die gesamte Leinwand zu betrachten sind.  

A 2016, 92 Min., R: Ruth Beckermann,D: Anja Franziska Plaschg, Laurence Rupp

https://www.zitty.de/event/drama/die-getraeumten/