Tragikomödie

Die göttliche Ordnung

Vergnüglicher Film über den sich erst in den 1960er-Jahren zuspitzenden Kampf um die sexuelle Freiheit und das Frauenwahlrecht in der Schweiz

ZITTY-Bewertung: 4/6

In der in vielen Bereichen ach so vorbildlichen Schweiz dauerte es tatsächlich bis 1971, bis den Frauen das Wahlrecht zugesprochen wurde (in Deutschland gibt es das Frauenwahlrecht bereits seit 1918). ­Höchste Zeit also für einen Spielfilm, der die turbulenten Geschehnisse in den ­späten 60er- und frühen 70er-Jahren aufarbeitet. ­Während sich die westliche Welt dank der ­68er-Proteste im generellen Aufruhr befindet, müssen einige Schweizerinnen für ganz fundamentale Rechte kämpfen.

Im Mittelpunkt des Geschehens steht Nora Ruckstuhl (Marie Leuenberger). Die Hausfrau lebt zusammen mit ihrem Gatten Hans (Max Simonischek) und den beiden kleinen Söhnen in einem beschaulichen Dorf. Doch selbst hier bleibt die aufmüpfige Stimmung nicht unbemerkt. Wobei Nora eigentlich keine Kämpferin ist, sondern sich primär darüber ärgert, dass ihr Mann ihr verbietet, wieder zu arbeiten.

Noch eine harmonische Familienbande: Nora (Marie Leuenberger) und ihre Männer
Foto: Alamode Filmverleih / Daniel Ammann

Durch diesen Umstand und die rigorose Art und Weise, wie man mit der aufmüpfigen Hanna (Ella Rumpf aus „Tiger Girl“) umgeht, wird Nora sensibilisiert, sich mehr für die Rechte des weib­lichen Geschlechts einzusetzen. In der ehemaligen Gastwirtin Vroni (Sibylle Brunner) und der Italienerin Graziella (Marta Zoffoli) findet Nora Unterstützerinnen; nach und nach schließen sich immer mehr Frauen des Dorfes dem Kampf ums Wahlrecht und um die sexuelle Befreiung an. Doch wer von ­ihnen ist tatsächlich bereit, den Zoff mit den Macho-Ehemännern zu ­ertragen und womöglich das jeweilige ­Familienglück aufs Spiel zu setzen?

Eine hübsche Geschichte hat sich Autorin und Regisseurin Petra Volpe für den mehrfach preisgekrönten Schweizer Publikumshit ausgedacht, in dem sie einmal mehr den Kampf des Individuums gegen überkommene gesellschaftliche Strukturen thematisiert. Und sie weiß mit einer passend piefigen Ausstattung und einer prima Besetzung zu überzeugen.

Doch leider gerät Volpe ihre Inszenierung wenig aufmüpfig und revolutionär, deutlich zu konventionell wird das Geschehen durchdekliniert. Spaß macht das Geschehen trotzdem.

CH 2017, 97 Min., R: Petra Volpe, D: Marie Leuenberger, Max Simonischek, Sibylle Brunner

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