Dokumentarfilm

„Die guten Feinde“ von Christian Weisenborn

Christian Weisenborn erzählt vom NS-Widerstand und seinem Vater Günther

Foto: Arvid Mildred Harnack / Gedenkstaette Dt. Widerstand
ZITTY-Bewertung: 5/6

„Mein Vater, die Rote Kapelle und ich“ lautet der Untertitel dieses Films, dessen Inhalt damit gut umrissen ist. Sein ­Macher Christian Weisenborn ist der Sohn von Günther Weisenborn, einer ­Legende des deutschen Widerstands ­gegen den Nationalsozialismus, auch weil es dem Schriftsteller gelang, das Terror­regime zu überleben und die Geschehnisse später künstlerisch zu reflektieren.

Weisenborn, der bis zu seiner Verhaftung 1942 ein Doppelleben im NS-Kultur­betrieb führte, gehörte zum Kreis um Harro Schulze-Boysen und Arvid Harnack, dem (zusammen mit anderen Gruppen) die Gestapo den Namen „Rote ­Kapelle“ gab. Um den Krieg und die NS-Diktatur zu ­beenden, leiteten diese Widerstandskämpfer auch Infos an die ­Sowjets ­weiter. Nach 1945 wurde ihnen deshalb im ­Westen – befeuert durch alte Nazis – ­Verrat vorgeworfen, derweil die Machthaber im Osten sie ganz für sich vereinnahmten und ebenso die Fakten verfälschten.

Mit seinem Film, in dem er mit Tagebucheinträgen, Briefen, Fotos, historischem Filmmaterial und Interviews mit Hinterbliebenen vor allem Leben und Wirken seines Vaters anschaulich schildert, rückt der 1947 geborene Christian Weisenborn die Dinge zurecht. Günther Weisenborn war mit dem Versuch, seinen vielen hingerichteten Freunden und Kampfesgefährten Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, noch gescheitert. 1969 starb er mit 66 Jahren in West-Berlin. Erst 2009 wurden die Urteile aufgehoben.

D 2017, 90 Min., R: Christian Weisenborn

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