FamilienDrama

Die Hände meiner Mutter

Der Berliner Schauspieler Andreas Döhler brilliert als Familienvater, den düstere Kindheitserinnerungen einholen­

ZITTY-Bewertung: 5/6
ZITTY-Bewertung: 5/6

Eines Tages bricht es aus ihm heraus, ­ausgerechnet bei einer Familienfeier, dem Geburtstag des Vaters Gerhard (Heiko ­Pinkowski). In Markus (Andreas Döhler), 39, selbst Familienvater mit dem vierjährigen Sohn Adam und seiner Frau Monika ­(Jessica Schwarz), dringen jahrzehntelang verdrängte Erinnerungen nach oben. Zuerst weiß er nicht, wie er damit umgehen soll.

Doch dann entschließt sich Markus, in die Offensive zu gehen und seine soziale Umgebung mit den Vorkommnissen in seiner Kindheit zu konfrontieren. Denn als Kind, da hat seine Mutter ­Renate (Katrin Pollitt) Dinge mit ihm angestellt. Dinge, die eine Mutter mit ihrem Kind niemals anstellen sollte. Markus wird durch die Gedanken an früher völlig aus der Bahn ­geworfen, auch beruflich als ­Ingenieur.

Die Hände meiner Mutter
Die Hände (links im Bild), allerdings ohne Mutter
Foto: Kinescope

Doch wie das bei Tabus oftmals so ist: Wirklich hören will im Grunde niemand, was dem Mann als Kind zugestoßen ist. Schließlich konfrontiert er die Mutter selbst mit der neuen Situation … Auweia, das riecht nach gutem, ­alten deutschen Problemfilm, eine lange ­Tradition seit den 1970ern. Aber keine Bange: Autor und Regisseur Florian Eichinger weiß ein sehr schwieriges Thema überaus souverän zu meistern. Eichinger will nicht belehren und ist ­zudem weit davon entfernt, aus diesem sensiblen Stoff einen Skandalfilm konstruieren zu wollen.

Sehr einfühlsam nähert er sich dem Thema und bedient sich für die Rückblenden in Markus‘ Kindheit eines sehr klugen Kunstgriffes: Der herausragende Hauptdarsteller Andreas Döhler, Ensemble-Mitglied am Deutschen Theater, schlüpft selbst in die Rolle des kleinen Markus und lässt so eine gewisse wohltuende Distanz zum Gezeigten entstehen. Es entwickelt sich ein intensives Familiendrama, das einem nicht mehr so schnell aus dem Kopf geht und sicherlich für Diskussionen zum Thema „Missbrauch durch Frauen“ sorgen wird.

Beim Filmfest München gewann „Die Hände meiner ­Mutter“ die beiden wichtigen Förderpreise für die Beste Regie und den Besten Hauptdarsteller.

D 2016, 106 Min., R: Florian Eichinger, D: Andreas Döhler, Jessica Schwarz, Katrin Pollitt, Heiko Pinkowski

https://www.zitty.de/event/drama/die-haende-meiner-mutter-2016/

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