URAUFFÜHRUNG

Die Hand ist ein ­einsamer Jäger

Wilde Textcollage um Frauenkörper

Im Ringen um weibliche Autonomie – Foto: Vincenzo Laera

Willkommen im tragisch-komisch grundierten Kabinett weiblicher Erfahrungswelten! In Katja Brunners Stück dreht sich alles um den weiblichen Körper als zugerichtetes Objekt. Etwas holprig geht es im dritten Stock der Volksbühne los an einer aufklappbaren verspiegelten Vagina (Bühne: Franziska Harm). Vor einem vertikalen Schlitz werden Fickübungen gemacht, das Ensemble trägt rosa Höschen und langhaarige Perücken.

Noch fehlt es an klaren Situationen, um den ins Abstrakte driftenden Text szenisch zu erden. Nach einer Weile läuft der Abend unter der Chorleitung von ­Elmira Bahrami runder. Händische ­Übergriffe auf Höschen werden reflektiert, mehr oder weniger subtile Formen der patriarchalen Machtausübung, Ringen um weibliche Autonomie. „Wir kotzen in den Gendergap“, skandieren die Spieler*innen im Bulimie-Intermezzo. Der Chor verspeist in Zeitlupe andächtig einen Burger und wir sind live dabei, wenn die Performer Essen als diffizilen Schuldkomplex ausstellen.

Coup der Inszenierung von Pinar Karabulut ist das geschlechtergemischte Ensemble, in dem Männer wie Frauen weiblich spielen. Solidarität statt Parodie ist das Motto der Spielweise und es ist tatsächlich aufregend, wie das binäre Geschlechterkonzept im Spiel überwunden wird. Da ist jede Menge Intellekt am Start und Sex-Appeal. Aber einmal nicht in der Variante ­Jäger und Gejagte. ANNA OPEL

12.–14.6., Volksbühne, Rosa-Luxemburg-­Platz, Mitte. Regie: Pinar Karabulut; mit Elmira Bah­rami, Malick Bauer u.a., Eintritt 14, erm. 9 €