Drama

Die Lebenden reparieren

Wohin mit dem Herzen?

Claire hat ein schwaches Herz
Foto: Wild Bunch Germany

Früh am Morgen schwingt sich der 17-jährige Simon auf das Rad. Er ist zum Surfen verabredet, doch dann geschieht ein Unfall. Simon wird nicht mehr zu Bewusstsein kommen, sein Hirn ist schon tot, er wird nur noch künstlich beatmet. Seine Eltern müssen eine schwere Entscheidung treffen: Was geschieht mit seiner Leber, seinen Nieren, seinem Herz?

Am Beispiel einer Organspende entfaltet Katell Quillévéré ein komplexes Porträt der französischen Gesellschaft. Zahlreiche Figuren sind involviert, aber im Zentrum steht der Tausch jenes Organs, das am intensivsten mit dem Leben assoziiert wird: das Herz von Simon.

Claire hat zwei Söhne, von denen ­einer ­gerade sein Studium geschmissen hat. ­Wegen ihres schwachen Herzens ist ­unklar, wie viel Wahrheit man Claire zumuten kann. Katell Quillévéré erzählt noch von vielen anderen Figuren: von den Operationsärzten, von den Menschen in der ­Organvergabe-Zentrale. In alle möglichen Richtungen verzweigt sich die Geschichte.

So entsteht ein starker Eindruck von der Verbundenheit menschlicher Individua­lität, also in einem emphatischen Sinn ein Film über das Menschsein als ­solches, über die Euphorie, die man auf einer ­Welle empfinden kann, über die Zumutung der Kunst und über das Wunder, das eine Person erlebt, die die Augen (wieder) aufschlagen kann.

„Réparer les vivants“, F/B 2016, R: Katell Quillévéré, D: Tahar Rahim, Emmanuelle Seigner, Anne Dorval

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