Leihfahrräder im Test

Die Rad-Revolution

Acht Leihfahrradanbieter operieren mittlerweile in Berlin, oft sieht man den Gehweg vor lauter abgestellten Rädern nicht mehr. Doch was taugt die Leihrad-Offensive? Wir haben alle acht Anbieter getestetDie Lage ist unübersichtlich. Sage und schreibe acht Firmen bieten neuerdings in Berlin sogenanntes Bike-Sharing an. Soll heißen: Fahrräder können übers Internet kurzfristig ausgeliehen werden. Alle Anbieter versprechen grundsätzlich dasselbe: Einfach eine App heruntergeladen –  und los geht’s zu jeder Tages- und Nachtzeit.

Bilder

Unterschiedliche Konzepte

In der Praxis allerdings  zeigen sich gewaltige Unterschiede. Mal ist die App simpel zu bedienen, mal aber sind die anzeigten Fahrräder gar nicht vorhanden. Mal öffnet sich das Fahrradschloss problemlos nach einem Tippen auf dem Smartphone, mal kann man die Entriegelung nur mit akademischem Abschluss bedienen. Mal rollen die Räder überraschend gut, mal kommt man kaum voran. Mal findet man das Leihgefährt nur an festen Stationen, andere kann man einfach irgendwo stehen lassen.

Die Verfügbarkeit der Fahrräder

Grundsätzlich  gibt es aber zwei große Probleme mit den Berliner Leihrädern:  Verfügbarkeit und Preisstruktur. Nahezu alle Anbieter haben ihre Flotte nur in der Innenstadt verteilt, nur selten verirrt sich ein einzelnes Fahrrad außerhalb des S-Bahn-Rings – und dort steht es meist nur aus Versehen, und seinem letzten Benutzer wurde wahrscheinlich eine  Strafgebühr vom Online-Konto abgezogen.
Nur mit einem LimeBike darf  man im gesamten Berliner Stadtgebiet herumkurven, aber eines der eh schon eher seltenen Räder aus Kalifornien in Spandau oder Rudow zu  finden, ist extrem unwahrscheinlich. Doch ein engmaschiges Netz in ganz  Berlin ist unverzichtbar, damit die Leihräder nicht nur ein Touristenvergnügen bleiben, sondern auch von Berlinern und Berlinerinnen  in ihren Alltag integriert werden können: Wer in Kreuzberg wohnt, aber einen eher entlegenen Teil des FU-Campus erreichen möchte, bräuchte eine Ausleihstation am U-Bahnhof Dahlem Dorf – und nicht vier Kilometer  entfernt am Stadtbad Wilmersdorf. Sogar am S-Bahnhof Bornholmer Straße  kann es einem passieren, dass man acht Apps durchcheckt und kein Fahrrad in der Nähe findet.

Die Bezahlmodelle

Aber selbst, wenn man ein Rad findet: Auch die Preisgestaltung verhindert einen sinnvollen tagtäglichen Umgang mit dem Kurzleihrad. Denn so unterschiedlich die Bezahlmodelle sind, auf eins  können sich alle acht Anbieter einigen: Bezahlt werden müssen immer mindestens 20 Minuten (2 Anbieter). Bei den anderen Anbietern beginnt der Tarif bei einer halben Stunde. Wenn das Rad zwischendurch geparkt und abgeschlossen wird, läuft die Zeit bei den meisten Anbietern weiter. Das bedeutet: Eine Hin- und Rückfahrt zum ­Bäcker samt Brötchenkauf kosten bei einem Anbieter tatsächlich nur 50 Cent. Wer aber einen größeren Einkauf vorhat, dessen halbe Stunde dürfte abgelaufen sein, wenn er aus dem Supermarkt heraus kommt. Was heißt: Man muss für die Rückfahrt extra blechen.

 


Die Leihfahhrad-Testergebnisse:

  1. Byke 4/5 Punkte >> zum Test
  2. Deezer/Nextbike: 3,3/5 Punkte >> zum Test
  3. Obike 1,5/5 Punkte >> zum Test
  4. Limebike 1,5/5 Punkte >> zum Test
  5. Lidl-Call-A-Bike 4/5 Punkte >> zum Test
  6. Donkey Republic 4/5 Punkte >> zum Test
  7. Mobike 3,3/5 Punkte >> zum Test
  8. Ofo 4/5 Punkte >> zum Test

Facebook Kommentare

[fbcomments]