Open-Air-Tollhaus

Die Räuber

Das Monbijou-Theater kürzt den Klas­siker auf derb-komische 90 Minuten, plus fünf Minuten Nachspielzeit

Foto: © Bernd Schönberger

Schülergenerationen wurden mit Schillers sperrigem Erstling „Die Räuber“ traktiert – einem Familiendrama, in dem alle sterben müssen. Die scharfe Kritik des jungen widerborstigen Dichters am Feudalismus oder, modern gedeutet, die Revolte radikal-­wütender junger Männer gegen das Establishment – dieser Stoff ist nicht tot (und aus dem Deutschunterricht) zu kriegen. Interessant aber, wie das muntere Ensemble in der Holz­arena am Monbijoupark dem Stück eine neue, überraschende Variante erspielt.

Dramaturgisch auf gute 90 Minuten geschickt zusammengestrichen, entwickelt es sich unter dem Regisseur Maurici Farré zur Groteske, die von Schillers hochtrabendem Pathos kaum etwas übrig lässt. Die Räuber sind ein bunter Haufen, skurrile Typen mit merkwürdigen Brillengestellen; ob Karl (Daniel Sellier), Spiegelberg ­(Rashidah Aljunied) oder Schweizer (Hartmut Lehnert) – bestechend ist die Dynamik der komischen eineinhalb Stunden, das ganze Amphitheater wird zum überhitzten Tollhaus. Sie brüllen, saufen, debattieren, klettern die steilen Stufen im Bühnenrund herauf und herab. Dazwischen agiert Franz (Jonas Kling), ein korpulenter, schmieriger, langhaariger Widerling.

Doch so komisch dieses Panoptikum auch ist, die Mimik und Gestik zeigen bis in die Nebenrollen konturierte, genau kalkulierte Charaktere. Schiller, der als Maskenmann auch auftritt, lebt. Das Schauspielertheater auch. Vivat! AXEL SCHALK

Bis 2.9., Fr + Mi 21 Uhr, Mo, Di, Do + Sa 19 Uhr, So 18 Uhr, Monbijou Theater, Monbijoupark, Mitte. Eintritt 15–25 €