JUGENDTHEATER

Die Räuber

In Joanna Pramls Schiller-Überschreibung (er-)proben die jungen Darsteller ihre ureigene Revolte

Wut und Liebe: Das furiose Junge DT – Foto: Arno Declair

Generationen von Gymnasiasten wurden mit Friedrich Schillers sprachgewaltigem Erstling „Die Räuber“ traktiert. Erfrischend zu erleben, mit welch spielfreudiger Unbefangenheit das Ensemble des Jungen DT mit dem kruden Stoff umgeht.

In der Fassung der Regisseurin Joanna Praml zum Jubiläum der Jugendsparte des DT erleben wir eine Thea­terprobe der „Räuber“, die sich zunehmend verselbständigt. Alle Spielenden wollen Hauptrollen, die Debatten über kaputte Elternhäuser und – ganz Schiller folgend – über Geschwisterstreitigkeiten werden hitziger. Sie wollen sich unbedingt erproben, selbst erfahren „bis in den Tod“. Schließlich entscheiden sie sich, tatsächlich Räuber zu werden; der Intendant, der das verrückte Unternehmen stoppen will, wird entführt, ja, am besten sollten alle deutschen Intendanten in der ­Unterbühne weggesperrt werden.

In dieser geschickten Überschreibung findet Schiller nur noch in Versatzstücken statt. So betritt er schließlich gar selbst als hager-komischer Perückenträger die Szenerie und fleht darum, doch endlich sein Stück zu proben. Die lebendige Aufführung lebt von der Leidenschaft der jugendlichen Beteiligten. Sie übersetzt tatsächlich die Gemütslage des jungen, nach Freiheit strebenden Stürmers und Drängers Schiller und zeigt die Wunschwelt einer jungen, hungrigen Generation. Bravo! AXEL SCHALK

19. + 30.3., 19.30 Uhr, Kammerspiele des DT, Schumannstr. 13a, Mitte. Regie: Joanna Praml, mit Can Arduc, Marie Eick-Kerssenbrock, Carl Jung, Philipp Mohr u.a., Eintritt 15, erm. 9 €