COWBOYTHEATER

Die Räuber

Leander Haußmann gibt sich am ­Berliner Ensemble einer überbordenden Kindheitsfantasie hin

Eine große Feier der Gesetzlosen – Foto: Monika Rittershaus
Eine große Feier der Gesetzlosen – Foto: Monika Rittershaus
ZITTY-Bewertung: 5/6
ZITTY-Bewertung: 5/6

Wie Cowboys bei Tarantino ziehen die Räuber um Karl Moor in die Böhmischen Wälder. Die Windmaschine braust frontal auf, bläst dem Publikum den Haarfestiger aus den Frisuren. Derweil enteignet Karls intriganter Bruder Franz (triumphal: Matthias Mosbach) den siechen Vater Moor, tänzelt sich John-Travolta-Style an die bezaubernde Amalie ran (Antonia Bill), lässt sich von ihr auch mal blutig abbeißen, um bald einen Schwof mit Vaters Leiche zu wagen, zu den Tunes von Cat Stevens‘ „Father and Son“.

Eine große Feier der Gesetzlosen hat Leander Haußmann für Schillers Erstling „Die Räuber“ anberaumt, eine ins Kraut geschossene Kindheitsfantasie, überbordend, laut, ruppig, wunderschön. So viele Ideen wie Haußmann in die zwei Stunden bis zur Pause gießt, haben andere Regisseure nicht in ganzen Spielzeiten.

Im zweiten Teil kippt das Spektakel. Die Tragödie um den Zerfall der Räuberbande kriegt Haußmann nicht mehr gegriffen. Kindheitsträume kennen keine bösen Wendungen. Die Dramaturgie probiert ihr möglichstes und schneidet sprunghaft Szene ineinander, um Zeit zu gewinnen. Aber es schleppt sich.

Sei’s drum. Wer wissen will, was wir an dem Bühnenregisseur Leander Haußmann verlieren, wenn er seine Ankündigung wahr macht und dem Theater mit dem Ende der Ära Peymann 2017 den Rücken kehrt, der breche ins BE auf, bestaune zwei von drei Stunden großes Künstlertheater und verdrücke eine Träne. CHRISTIAN RAKOW

27.6., 20 Uhr, Berliner Ensemble, Bertolt-Brecht-Platz 1, Mitte. Regie: Leander Haußmann; mit Antonia Bill, Uwe Dag Berlin, Roman ­Kaminski, Mat­thias Mosbach. Eintritt 5-30 €