DRAMA

Die Schauspieler

Das aufBruch-Ensemble verwandelt einen Hangar in einen bemerkenswerten Kunstraum

Knackis und andere spielen Schleef im ehemaligen Flughafen Tempelhof – Foto: Thomas Aurin

Einar Schleef, als Regisseur und Autor einer der Großen der deutschsprachigen Theatergeschichte, wäre dieses Jahr 75 Jahre geworden. Wie aktuell sein Stück „Die Schauspieler“ ist, zeigt das aufBruch-Ensemble von Freigängern, Ex-Inhaftierten und Schauspieler*innen im riesigen Hangar des einstigen Flughafens Tempelhof.

Im Drama trifft die Kunstwelt auf die harte Wirklichkeit. Schauspielende gehen zu Recherchezwecken in ein Asyl, treffen die Untersten der Unteren. Eine Verständigung dieser Welten gibt es nicht, trotz überreichter Geschenke und einzelner Versuche biografischer Mitteilung, schlägt die Annäherung in Aggression um.

Der Ort ist klug gewählt. Der Hangar war bis 2018 Berlins größte Notunterkunft für Flüchtlinge. Die Etagenbetten stehen noch, sind nun Requisite, Bühnenbild und Spielort. Zuweilen meint es die assozia­tionsfreudige Regie von Peter Atanassow dabei allzu gut in ihrem Bilderreichtum, dafür ist das Schlussbild dieses ungewöhnlichen Raumthea­ters bestechend. Auf der riesigen Hangar­treppe spricht ein Spieler einen Thomas-Bernhard-Monolog über Kunst. Er trägt eine Krone, der Bach-Choral „O Haupt voll Blut und Wunden“ erklingt. Die Überhöhung des Künstlers zum Erlöser im Leid. Ein religiöses Bild der Hoffnung, Hoffnung auf die Kunst. Trotz alledem. AXEL SCHALK

29.– 31.8., 1., 4., 5., 6., 7.9., 19.30 Uhr, Flughafen Tempelhof, Columbiadamm 10, Regie: Peter Atanassow; mit Christian Krug, Irene Oberrauch u.a., Eintritt 15, erm. 10 €