Kino

Die schönste Zeit unseres Lebens

Der Pariser Cartoonist Victor (Daniel Auteuil) wirkt wie aus der Gegenwart gefallen. Was die jungen Leute in ihrer digitalen Welt so treiben, ist alles Quatsch, und überhaupt wird der Mittsechziger nicht müde, jeden zu kritisieren. Bis es seiner im besten Sinne junggebliebenen Frau Marianne (Fanny Ardant) zu viel wird: Sie setzt den Griesgram vor die Tür. Das wiederum alarmiert Maxime (Michaël Cohen), den Sohn der beiden. Er will die Ehe der Eltern retten und schlägt Victor vor, er solle sich an seinen Freund Antoine (Guillaume Canet) wenden und mit dessen Firma „Time Travellers“ auf Zeitreise begeben. In einer aufwändigen Dekoration mit Schauspielern kann man sich in eine beliebige Ära „beamen“ lassen. Victor wählt das Jahr 1974 – damals hat er Marianne lieben gelernt.

Die schönste Zeit unseres Lebens
Die schönste Zeit unseres Lebens
Foto: Constantin Filmverleih

Es dauert nicht lange, bis sich Victor von Kettenrauchern und der vertrauten Kneipenszenerie genauso betören lässt wie von der Schauspielerin Margot (Doria Tillier). So sehr, dass Victor bald kaum mehr zwischen Realität und Kulisse unterscheiden kann. Parallel führen Firmenchef Antoine und Margot ihr Liebeschaos fort.

Was artifiziell klingt, entpuppt sich als intelligente und kurzweilige Tragikomödie über einen Mann, der ins Gestern reisen muss, um sich über das Heute klarzuwerden. Der aus den verfestigten Strukturen seines Daseins ausbrechen muss, um sich wieder dem Wesentlichen zuwenden zu können. Ein Film, der auf sehr französische Weise mit Emotionen das Leben feiert und längst nicht so verschurbelt wirkt wie „Die Poesie der Liebe“ (2017), der vorherige Film von Autor und Regisseur Nivolas Bedos. Zudem führt Bedos mit Fanny Ardant und Daniel Auteuil zwei Ikonen des französischen Kinos zusammen.

„Die schönste Zeit unseres Lebens“ reflektiert spielerisch über das Kino selbst – denn hier wie da geht es um eine künstlich hergestellte Welt der Illusionen, in der sich der Zuschauer im besten Fall verlieren soll und anhand der er über sein eigenes Leben sinnieren kann. Eine wunderbare Zeitreise – und eine raffinierte Spiegelung des Mediums Kino.

„Belle Epoque“, F 2019, 115 Min., R: Nicolas Bedos, D: Daniel Auteuil, Guillaume Canet, Doria Tillier, Fanny Ardand, Start: 28.11.