URAUFFÜHRUNG

Die stillen Trabanten

Armin Petras zelebriert auf der fast leeren Bühne der Kammerspiele wenige Momente der Transzendenz

Randexistenzen: Alexander Khuon, Anja Schneider – Foto: Arno Declair

„Stille Trabanten“ nannte der Leipziger Schriftsteller Clemens Meyer seine 2017 erschienenen, lako­nischen Erzählungen nächtlicher Begegnungen, Momentaufnahmen von ­Liebe, Freundschaft und Tod. Stark leuchtet Sehnsucht heraus aus der allgegenwärtigen Ödnis postkapitalistischer Depression, die den Hintergrund ihrer Figuren tränken. Armin Petras hat diese undramatischen Miniaturen nun auf ihre Bühnentauglichkeit geprüft. Mit seinem starken ­Ensemble um Anja Schneider, Peter Kurth und Kat­rin Wichmann ist er daran immerhin nicht völlig gescheitert.

Die zarte Freundschaft zwischen der Zug­reinigungskraft Christa und der Friseurin Birgitt bahnt sich komisch an. Schneider und Wichmann spielen differenziert Sehnsucht nach Gemeinschaft und treffen damit mitten ins Herz.

In den anderen fünf Geschichten vertraut Petras zu wenig dem Ungefähren, das den Reiz der Geschichten ausmacht. Was ist Traum, was Realität? ­Petras interpretiert zu stark. Wie er mit den Bühnenmitteln, mit Pantomime, Dialog, Narration experimentiert, wird beliebig. Die traurige Geschichte „Der kleine Tod“ gerät zum Impro­theater. Olaf Altmanns Bühne dreht sich, Miles Perkins Livemusik liefert den melancholischen Teppich und die Schauspieler zeigen, was sie können.

Ein disparater, aber okayer Theaterabend mit starken Momenten. ANNA OPEL

24., 29.11. + 3.12., 20 Uhr, Kammerspiele des Deutschen Theaters, Schumannstr. 13a, Mitte. Regie: Armin Petras; mit Peter Kurth, Anja Schneider, Katrin Wichmann, Božidar Kocevski u.a., Eintritt 23-30, erm. 9 €