OSTALGIE

Die Umsiedlerin

Jürgen Kuttner und Tom Kühnel ­verirren sich in einem nostalgischen DDR-Heimat­abend

Ein Kessel DDR-Buntes: Jürgen Kuttner, Markwart Müller-Elmau, Felix Goeser, Marcel Kohler, Almut Zilcher (vorn), Jörg Pose – Foto: Arno Declair

Heiner Müllers im Mauerbaujahr 1961 geschriebenes Drama „Die Umsiedlerin“ führte zum wohlmöglich größten Thea­terskandal der DDR. Der Regisseur B. K. Tragelehn flog aus der Partei, der ­Autor wurde aus dem Schriftstellerverband ausgeschlossen – aus heutiger Sicht nicht mehr und nicht weniger als ein Teil der Unrechtsgeschichte der untergegangenen Republik der alten Männer.

Und Müllers Drama? Es war immerhin der Versuch, die Widersprüche der Kollektivierung der Landwirtschaft in der frühen DDR aufzuzeigen; heute ist es bestenfalls ein Stück Literaturgeschichte.

Das Regieduo Tom Kühnel und Jürgen Kuttner, er selbst tritt als chaplinesker Conferencier auf, will wohl eine komisch sarkastische Agitpropshow auf den schwarz-weißen Spielpodesten in Bewegung setzen. Das geht gründlich schief. Oder wird hier tatsächlich das Loblied auf den Kommunismus gesungen? Das bleibt nebulös.

Die Funktionärin erscheint als riesiger, golde­ner Prospekt, der Chor der Bauern mit bunten Kappen intoniert Blankverse, rote Fahnen werden geschwenkt, Transparente aufgehängt. Eine nur für den Eingeweihten verständliche ideologische Debatte folgt auf die nächste. In Zeiten, in denen unanständig steigende Mieten Normalverdiener besorgen, haben ­diese merkwürdigen zweieinviertel Stunden mit unserer Realität was zu tun? Nichts. AXEL SCHALK

6.5, 19.30 Uhr, Deutsches Theater Kammerspiele, Schumannstr. 13a, Mitte. Regie: Tom Kühnel, Jürgen Kuttner; mit Jörg Pose, Felix Goeser, Almut Zilcher u.a., Eintritt 23–30 €