Dokumentarfilm

Die vergessene Armee

Wie denken ehemalige Soldaten der Deutschen Demokratischen Republik heute?

ZITTY-Bewertung: 4/6

Als die DDR 1990 der Bundesrepublik Deutschland beitrat, hatte der Staat ein Problem: Zehntausende Soldaten der Nationalen Volksarmee und der DDR-Grenztruppen standen auf der Straße. Wie blicken sie heute auf ihre Zeit als DDR-Soldaten?

Den meisten Protagonisten, die in dem Dokumentarfilm der Dänin Signe Astrup vor die Kamera treten, fehlt die Fähigkeit zur differenzierten Betrachtung jedenfalls weitgehend. Die DDR war toll, die Wiedervereinigung eine „Kapitulation“ und die Kameradschaft der Truppe unvergleichlich. Wer etwas anderes sagt, betreibt Propaganda. Und wenn die Gestalten eines NVA-Traditionsvereins dann zu einem Jahrestag der NVA-Gründung strammstehen, glaubt man sich auf einem Treffen von Kabarettisten. Auch wenn die Regisseurin, die wiederholt klarmacht, dass nicht nur sie diese Ansichten nicht teilt, hier niemanden diffamiert.

Die vergessene Armee
Foto: Slazgeber

Gehen da also nur ein paar Typen einem harmlosen Hobby nach, oder ist das auch gesellschaftlich relevant? Natürlich stehen diese Ex-Soldaten lediglich als ein Beispiel für jenen Teil der DDR-Bevölkerung, der mit dem Wegfall von Staat, Beruf und Idealen das Gefühl vermittelt bekam, umsonst gelebt zu haben. Klar wird: Die Demütigung sitzt tief und ist nicht bloß der Quell einer verfehlten Nostalgie.

 D 2017, 89 Min., R: Signe Astrup, Start: 8.6.

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