KOMÖDIE

Die verkehrte Welt

Das Theaterforum Kreuzberg versucht ein unspielbares Stück spielbar zu machen, was nur bedingt gelingt

Spiel im Spiel: Esteban Castro Ramos, Michael R. Scholze, Martin Radecke – Foto: Manfred Eulenbruch

Ehrenwert allemal, dass Regisseurin Ane­mone Poland einmal wieder ein vergessenes Stück ausgegraben hat. Der Autor Ludwig Tieck gilt als Vater, als „König“ der deutschen Romantik, aber seine ­Komödie von 1800 als unspielbar. Im Stück über Thea­ter im Theater, das munter die Genres mischt, weigert sich die Commedia-dell’­arte-Figur Skaramuz (Michael R. ­Scholze) weiterhin den Narren zu spielen und will stattdessen den König darstellen. Der Thea­terdirektor (Vanessa Montserrat) sieht seine Aufführung eines antiken Dramas gefährdet.

Im Spiel der Verdrehungen greifen verrückterweise nun auch noch ­Zuschauer ein (die sich als Teil des 15-köpfigen Ensembles entpuppen). Der Theaterdirektor beugt sich, Skaramuz sitzt nun auf dem Thron, mutiert zum Diktator, ein Spiel im Spiel läuft ab. In der Arena-Bühne wechseln, Tiecks romantisch-vielschichtigem Konzept folgend, dauernd die Ebenen von Rea­lität und Fantasie. Da sind die Musen, da sind Aufständische, es werden Ehen geschlossen. Ein Vorhang öffnet sich, ein weiteres Spiel im Spiel. Sehr verwirrend, das Ganze.

Immerhin, ansatzweise leuchtet Tiecks interessantes Konzept eines totalen, auch satirischen Theaters auf, wo alle immer wieder (geradezu heutig) aus ihrer ­Rolle treten – doch konsequent nutzt ­Polands eher brave Inszenierung den Thea­terapparat nicht. AXEL SCHALK

23.–25.11., 20 Uhr, Theaterforum Kreuzberg, Eisenbahnstr. 21, Kreuzberg, Regie: Anemone Poland; mit Miriam Braun, Magdalena Hurka, Vanessa Montserrat u.a., Eintritt 18, erm. 10 €

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