»Zerlegt und einge­schmolzen«

Die Waffenamnesie geht in die Halbzeit

Seit 6. Juli gehen Besitzer illegaler Pistolen und Gewehre straffrei aus, wenn sie ihre Waffen bei der Polizei abgeben. Ein Jahr lang läuft die Amnestie, bald ist Halbzeit. Was bringt das Projekt? Wir haben nachgefragt bei Carsten Pfohl, Dezernatsleiter LKA 44, unter anderem zuständig für die Zentralstelle scharfe Schusswaffen bei der Berliner Kriminalpolizei

Herr Pfohl, wie viele Waffen wurden seit Beginn der Amnestie bei der Polizei abgegeben?
Zwölf scharfe Schusswaffen. Das waren drei Langwaffen, also Gewehre, und neun Faust­feuerwaffen.

Waren darunter auch automatische Waffen?
Vollautomatische Waffen fallen mit wenigen Ausnahmen nicht unter die Waffenamnestie. Sie unterliegen in der Regel dem Kriegswaffenkontrollgesetz.

Die Amnestie gilt ja auch für Schlagringe, Butterfly-Messer und so etwas.
In dem gesamten Zeitraum sind 59 scharfe Schusswaffen, 185 Signal-, Reizstoff- und Schreckschusswaffen abgegeben worden, sowie 39 andere, also Messer, Wurfsterne und so weiter. Darunter fallen allerdings auch Fundwaffen, Legalwaffenbesitzer, die sagen, sie wollen ihre Waffe nicht mehr, und Erbstücke: Der Ehemann verstirbt, die Witwe findet eine Waffe im Schrank und gibt sie ab. Wenn man aber den Begriff Amnestiewaffen streng nimmt, nur illegale scharfe Schusswaffen, dann sind es die beschriebenen zwölf.

Gibt es denn für eine Witwe, die eine Waffe findet, keine Möglichkeit, sie legal zu verkaufen?
Jeder Legalwaffenbesitzer kann natürlich seine Waffe auch legal verkaufen. Es gibt Onlinemarktplätze wie eGun, das eBay nur für Waffen. Und die Sammler tauschen ja auch untereinander. Das sind häufig Sportschützen. Die haben dann nicht nur eine Waffe, sondern sind so von Waffen fasziniert, dass sie zehn, 20 und mehr haben.

Was passiert mit den eingezogenen Waffen?
Die werden von unserer Asservatenstelle auseinandergebaut und dann von einem Unternehmen eingeschmolzen. Das ist ja immer noch ein Metallwert.

Wie hoch ist die Strafe, wenn diese illegalen Waffen von der Polizei gefunden würden?
Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu fünf Jahren. In schweren Fällen bis zu zehn Jahren. In minderschweren Fällen kann es auch mal eine Geldstrafe sein.

Werden die Menschen, die solche Amnestiewaffen abgeben, registriert?
Selbstverständlich. Weil wir ja auch anhand von Beschusstests überprüfen müssen, ob mit der Waffe eine Straftat begangen wurde. Es kann ja nicht sein, dass Straftäter, indem sie die Waffe mittels der Amnestie beiseiteschaffen, ihrer Strafe entgehen.

Das heißt, Menschen, die nicht wissen, was mit ihrer Waffe vorher passiert ist, die schmeißen sie eher in den Kanal?
Das könnte schon passieren.

Wie ist das Verhältnis von abgegeben illegalen Waffen zu denen, die noch im Umlauf sind?
Das können wir überhaupt nicht schätzen. Ich gehe mal davon aus, das ist mein Bauchgefühl, die Waffe wird derjenige abgeben, der in erster Linie Sammler ist. Wer sich eine illegale scharfe Schusswaffe besorgt, um damit Straftaten zu begehen, der wird seine Waffe nicht abgeben. Der wird seine Waffe eher beiseite schaffen oder vernichten, wenn er der Meinung ist, er braucht sie nicht mehr. Bei diesem Kreis, und das ist für mich ja der interessantere Kreis, werden wir nie feststellen, wie viele Waffen eigentlich im Umlauf sind. Aber ich mache den Job hier seit vier Jahren, und dieses Jahr hatten wir Waffenfunde in einem Ausmaß, das es so in den letzten Jahren nicht gegeben hat.


Illustration: Sara Bergmann

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