URAUFFÜHRUNG

Die Winterreise

Das Exil Ensemble des Gorki erzählt witzig und berührend von einer winterlichen Deutschlandreise

Karim Daoud, Niels Bormann, Maryam Abu Khaled, Ayham Majid Agha, Hussein AL Shatheli und Kenda Hmeidan in „Winterreise“ – Foto: Ute Langkafel
ZITTY-Bewertung: 5/6

Wer „Winterreise“ sagt, denkt meistens zuerst an Franz Schuberts Liederzyklus, der das Gefühl des Fremdseins in der Welt auslotet. Auch Yael Ronen, die in ihrer „Winterreise“ am Gorki Theater sechs Mitglieder des neuen Exil Ensembles auf eine Tour durch Deutschland schickt. Mit dabei: Schauspieler Niels Bormann, der einmal mehr den besserwisserischen Deutschen gibt.

Auf der Reise geht es – vor blass-grauen, eher tristen Videobildern auf dem Cine­mascope-Rundhorizont – quer durch Deutschland, das lauter Konfliktzonen offenbart. Und Anlässe für die sechs großartigen Schauspieler aus Afghanistan, Palästina und Syrien zumeist auf Englisch vermutlich Autobiografisches zu erzählen. Von der Flucht. Von der Einsamkeit. Von Unwillen, sich das KZ Buchenwald anzuschauen, weil man, gerade aus Syrien geflohen, genug hat von Folter und Tod.

Das fügt sich zu einem typischen Ronen-­Abend, emotional und witzig, einfach und raffiniert zugleich, weil hinter vielen der komischen interkulturellen Missverständnisse jede Menge gar nicht so lustiger Konflikte lauern. Allerdings wirkt vieles bekannt, wie kopiert aus anderen Ronen-Inszenierungen. Dass „Winterreise“ dennoch lohnt, liegt vor allem an den Schauspielern, Profis, die beeindrucken und von denen man viel mehr sehen will. GEORG KASCH

13.+26.4., 19.30 Uhr, Maxim Gorki Theater, Am Festungsgraben 2, Mitte. Regie: Yael Ronen; mit Maryam Abu Khaled, Mazen Aljubbeh, Hussein Al Shatheli, Niels Bormann, Karim Daoud, Kenda Hmeidan, Ayham Majid Agha. Eintritt 10–34, erm. 8 €