Kino

Die Wunde

Auch dieses Jahr fährt der ­Lagerarbeiter ­Xolani aus der Stadt in ein abgelegenes Lager in den Bergen. Dort nimmt er als Mentor an einem ­Beschneidungsritual seines Volkes, der Xhosa, teil, das aus ­Jugendlichen Männer machen soll. ­Xolani trifft hier seinen Jugendfreund Vija wieder. Auch diesmal haben die beiden jungen Männer miteinander Sex. Allerdings interessiert sich der stille, alleinlebende Xolani deutlich mehr für den machohaften Familienvater Vija, als der sich für ihn. Außerdem spannt Xolanis diesjähriger Schützling Kwanda recht schnell, was zwischen den beiden läuft – wird er doch selbst als „Schwuchtel“ ausgegrenzt.

Mit seinem Film, der das diesjährige Pano­rama der ­Berlinale eröffnete, bricht ­Regisseur John Trengove gleich zwei ­Tabus: Weder über das Initiationsritual noch über Homosexualität wird in weiten ­Teilen der südafrikanischen Gesellschaft offen gesprochen. Schon im ­preisgekrönten Kurzfilm „Die Ziege“ (2014) hatte sich Trengove dem Ritual gewidmet.

Tradition vs. Moderne
Foto: Salzgeber

Sein erster Spielfilm ist nun ein vielschichtiges ­Drama über das Verständnis von Männlichkeit in einem ­sozialen Umfeld, das Traditionen nicht nur pflegt, sondern sich an sie zu klammern scheint. Unaufgeregt inszeniert spielt sich die spannende Handlung fast vollständig in der unberührt wirkenden Natur ab, wo sie in Cinemascope-­Bildern eingefangen wird.

„The Wound“, RSA/D/NL/F 2016, 88 Min., R: John Trengove, D: Nakhane Touré, Bongile Mantsai, Niza Jay Ncoyini

Die Wunde (2017)

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