KINDERTHEATER

Die zwölf Monate

Ein altes slawisches Märchen erzählt vom Sinn und der Schönheit der ­Jahreszeiten

Großer poetischer Ernst: Iduna Hegen, Uta Lindner – Foto: David Beecroft

Mit dem Bühnenraum im frisch renovierten Theater o.N. betritt man eine weiße Welt. Auf weißen Stufen sitzt eine Frau mit einer mächtigen Papierkrone; zwölf kleine, filigrane Gestalten aus Papier werden bald große Schatten an die Wand werfen. Es könnte eine Schneelandschaft sein. Zwei Schwestern: Eine ist anspruchsvoll und herrisch. Sie verlangt nach Veilchen im Winter und schickt die andere in die kalte Landschaft hinaus. Als die Brave tatsächlich mit dem Gewünschten zurückkehrt, werden immer neue Wünsche wach: Warum nicht Erdbeeren? Oder ­Äpfel?

Die beiden Darstellerinnen Iduna Hegen und Uta Lindner prägen das Theater seit Jahren: Ihr Beziehungsspiel bringt eine feine ironische Note ins Märchengeschehen. Die Motive scheinen einer modernen Öko-Vision zu entspringen, stammen aber tatsächlich aus einem alten slawischen Märchen, welches nur geringfügig abgewandelt wird.

Das Theater o.N. belässt es nicht nur bei der alten Sprache, sondern fügt noch apokalyptische Zahlenspiele hinzu, gliedert das Geschehen in Mondphasen und präsentiert ein altes Volkslied aus „Des Knaben Wunderhorn“ mit allen Strophen – so funktioniert es, wenn man sein Publikum ernst nimmt! Die Kinder werden still und aufmerksam angesichts eines Geschehens von großem poetischen Ernst. REGINE BRUCKMANN

19.–21.12., 10 Uhr, Theater o. N., Kollwitzstr. 53, Prenzlauer Berg. Ab 5 Jahren. Regie: Katharina Kummer; mit Iduna Hegen, Uta Lindner. Eintritt 10, erm. 7, Kinder 5 €

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