JUGENDTHEATER 

#diewelle2020

Die Verführbarkeit der Gruppe – Die Bühnenfassung des Grips Theater fügt dem Jugendbuchklassiker, längst Schulstoff, nur wenig Neues hinzu

Erkennungszeichen weißer Hoodie: Esther Agricola, Ludwig Brix, Frederic Phung, Marius Lamprecht – Foto: David Baltzer / bildbuehne.de

Die fünf Schauspielenden, die Schüler spielen, sitzen verteilt inmitten der Zuschauer. Katja Hiller als die experimentierfreudige Geschichtslehrerin Berit Rosenberg gibt so uns allen Frontalunterricht. Das ist ein schöner, alle immersiv mitnehmender Einfall.

Regisseur Jochen Strauch hat den 80er-Jahre-Roman „Die Welle“ von Todd Strasser alias Morton Rhue in eine eigene Fassung aktualisiert. Er verlegt das Experiment in eine Berliner Gesamtschule, Trump, die AfD und ihr Gauland werden erwähnt bzw. zitiert und statt eines jüdischen wird nun ein libanesischer Mitschüler zum Opfer.

Doch sonst folgt die Fassung bis in die stereotype Figurenzeichnung hinein allzu brav dem Roman über das aus dem Ruder laufende soziale Experiment einer Lehrkraft, die nachweisen will, wie verführerisch autokratisch-faschistoide Strukturen weiterhin wirken können. Dass in der Aktualisierung aber die heute wichtigsten Plattformen für manipulative Botschaften, Propaganda und Ausgrenzung, die digitalen sozialen Netzwerke, kurzerhand ausgeschlossen werden („Für die Zeit des Projekts ist Schluss mit iPads, Notebooks und Handys“, bestimmt die Lehrerin), ist allzu nachlässig. Der Internet-Hashtag-Titel „#diewelle2020“ ist somit eher irreführend.

Dennoch hat das Stück in Christin Treunerts effektiv-schlichtem Bühnenbild Wumms, auch Dank des druckvollen Live-Soundtracks von Öz Kaveller und Thilo Brandt. Und auch Dank des starken Spiels des Grips-Ensembles, allen voran Alina Strähler (als forsch-skeptische Laura) und Frederic Phung (als unbedarft-frotzelnder Benjamin), das aber in Teilen deutlich unterfordert (Regine Seidler und Christian Giese) und mehr deklamierend als miteinander spielend eingesetzt wird. Schade. FRIEDHELM TEICKE

17.1., 11 Uhr, 18.1., 14.+ 15.2., 19.30 Uhr, 17.2., 18 Uhr, Grips Theater, Hansaplatz, Tiergarten. Regie: Jochen Strauch; mit Katja Hiller, Alina Strähler, Marius Lamprecht, Ludwig Brix, Frederic Phung, Esther Agricola, Lisa Klabunde, Christian Giese, Regine Seidler. Ab 14 Jahre