Hommage

Diptam Dada Digitalis oder Ich will mein Löwenmäulchen nicht halten

AnniKa von Trier huldigt kongenial der Dadaistin Hannah Höch

AnniKa von Triers Hommage an die Collage für Hannah Höch – Foto: Promo

Ein ehemaliges Bahnwärterhäuschen mit Garten im nordwestlichsten Zipfel Reinickendorfs – was für eine Möglichkeit des Aus-der-Welt-Seins! Besonders wenn man während des Naziregimes besser unter dem Radar derer bleibt, denen die eigene Kunst als „entartet“ gilt.

In ihrem Heiligenseer Schlupfwinkel versteckte die Berliner Dadaistin Hannah Höch ihre Kunstwerke und die vieler befreundeter Künstler, indem sie sie in ihrem üppig wuchernden Garten vergrub. Und in dessen Gestaltung setzte die 1889 geborene Pionierin der Fotomontage die Kunstform der Collage kurzerhand im Arrangement von rund 800 Nutz- und Zierpflanzen fort. Der Garten war Höchs Inspirations- und bis zu ihrem Tod 1978 auch Nahrungsquelle.

AnniKa von Trier hatte der Dadaistin bereits in ihrem Programm „Gerade jetzt!“ einen Text gewidmet, der nur aus Gewächsen besteht und Höch in die Seele blickt: „Ach, ich würde so gerne mit der Dreimasterblume in See stechen oder in die Bergenie. Verreise stattdessen in meinen Garten. Da blüh ich auch auf.“ Inspiriert bindet die Performerin und Sängerin in „Diptam Dada Digitalis oder Ich will mein Löwenmäulchen nicht halten“ der Höch nun zwischen 1960er-Jahre Fernseher, lindgrünem Akkordeon und Theremin einen ganzen Strauß.

Bei dieser Hommage an die Collage pflückt Trier hier und da einen Text aus Höchs Notizen und Briefen und collagiert sie kess mit Liedern und Szenen aus ihren bisherigen fünf Bühnenprogrammen von „Palma Kunkel“ bis „Gerade jetzt!“. Eine besondere One-Woman-Show über eine ungewöhnliche Künstlerin – inmitten von deren größtem Werk: dem heute unter Denkmalschutz stehenden Garten. FRIEDHELM TEICKE

So 20.8., 16 Uhr, So 27.8., 16 Uhr, Garten von Hannah Höch, An der Wildbahn 33, Heiligensee. Eintritt 15, erm. 10 €, Reservierung unter: karten©annika-von-trier.com