GAMETHEATER

Zurück zu den Wurzeln

In ihrem neuen Projekt „Disaster“ machen die Game-Theater-Pioniere von machina eX ­
das Spieledesign selbst zum Thema ­

Text: Tom Mustroph

Mehr frickeln, weniger Endzeitstimmung. Unter diesen Vorzeichen stellen die Game-Thea­ter-­Designer von machina eX ihr neues Kollektiv-Spiel vor. Das hat mit „Disaster“ zwar wieder einen schön apokalyptischen Titel, es verspricht aber, ein kleines, schnelles und vor allem mit viel Rätsel- und Frickelspaß verbundenes Spiel zu werden: Gruppen von je zwölf Teilnehmern sollen einer von Verzweiflungsattacken überfallenen Spieldesignerin dabei helfen, doch noch den ganz großen Wurf hinzubekommen.

Das klingt erst einmal nach ganz schlimmen Plattformkapitalismus in der Entertainment-Industrie: Unbezahlte Mitstreiter, die auch noch Geld mitbringen, aber nicht einmal in den Credits erwähnt werden, sollen einem Projekt den letzten Drive verleihen. „Nein, nein, darum geht es nicht“, wehrt erschrocken Regisseurin Anna Fries ab. „Wir wollen nur wieder zu dem zurück, was wir gut können: Coole Rätseldesigns entwerfen und unsere Erfahrungen in der Spieler*innenführung einbringen. Der Plot vom noch nicht fertigen Spiel erlaubt uns dann größere narrative Sprünge“, erklärt sie.

Der Fokus liegt also auf der Freude am Spiel und der Lust an der kollektiven Rätsellösung. Machina eX knüpft dabei an ihr allererstes Stück, den Longseller „15000 Gray“, an. Damit eroberten sie – übrigens vom HAU ausgehend – Theaterhäuser und Festivals. Sie schlugen so erste Breschen für Theatergames im Bühnenbetrieb. Mittlerweile sind Theatergames ein etabliertes Subgenre und die machina-Maschinisten – trotz ihres noch recht jungen Lebensalters in den frühen 30ern – bereits Veteranen. Verhältnisse wie im Silicon Valley, freilich ohne die zugehörigen Dollar-Millionen.

Das neue Projekt „Disaster“ führt direkt in die Bastel-Garage der Crew. Spielerisch werden Machtkonstellationen erkundet und Entscheidungs-Dynamiken durchgespielt. Nichtzuletzt ist der Kampf mit Großprojekten, bei denen man Schritt für Schritt nicht dem Erfolg, sondern bloß dem Desaster näher kommt, für Berlin als Stadt, in der niemals irgendetwas fertig wird, unglaublich treffend. Nach acht Jahren Reifungsprozess kommt jetzt vielleicht das ultimative Meisterwerk der Truppe. Mitspielen, miterleben, mitmeistern!

6.12., 19 + 21 Uhr, 8.12., 17.30, 19 + 21 Uhr, 9., 10., 14.–16.12., 17.30, 19 + 20.30 Uhr, 12. + 13.12., 19 + 20.30 Uhr, HAU 3, Tempelhofer Ufer 10, Kreuzberg. Regie: Anna Fries; mit Katharina Bill, Martin Schnippa, Eintritt 15, erm. 10 €