Drama

Djam

Tony Gatlifs mitreißendes Road­movie feiert auch den Rembetiko

Immer unterwegs: Djam (Daphné Patakia)
Foto: Princes Production 2017

Zu melancholischen Klängen tanzt und singt ein junges Mädchen leidenschaftlich gegen einen Zaun im Niemandsland an. Mit dieser wunderschönen Eröffnung bringt Tony Gatlif die Essenz seines ­neuen Filmes grandios auf den Punkt: Freiheitsdrang vs. Abgrenzung, Lebenslust vs. Stillstand. Und nebenbei führt er seine Hauptfigur ein: das junge Mädchen Djam (eindrucksvoll: Daphné Patakia). Nicht zu vergessen die Musik: der Rembetiko, der Blues des griechischen ­Subproletariats. Djam lebt auf Lesbos und wird von ­ihrem stinkstiefeligen Onkel nach Istanbul geschickt, um dort ein Ersatzteil für sein Boot zu besorgen. Dort nimmt sie die gleichaltrige Französin Avril unter ihre Fittiche, die, mit Ambitionen als Flüchtlingshelferin, jämmerlich gestrandet ist. Es beginnt die Odyssee der beiden Frauen zurück nach Griechenland.

Gatlif schickt seine Protagonistinnen entlang der Migrationsroute Türkei-Griechenland. Zudem zeigt er den harten griechischen Alltag eines Volkes, „das von der Macht des Geldes zur eigenen Beerdigung gedrängt wird“, wie es Gatlif formuliert. Dem steht das Erinnern und Bewahren der Kultur gegenüber, hier durch den Rembetiko. Mit „Djam“ erweist sich Tony Gatlif einmal mehr als ein europäischer Regisseur des kulturellen Austausches, dem das sich abschottende Europa dieser Tage immer fremder wird.

F/GR/TK 2017, 97 Min., R: Tony Gatlif, D: Daphné Patakia, Simon Abkarian, Maryne Cayon

Facebook Kommentare

[fbcomments]