DRAMA

Draufgängerinnen

Orgie der Autonomie: Das Ensemble des Jungen DT überzeugt in der Box als schwangeres Teenagerkollektiv

Angry young Women: Livia Marlene Wolf, Marthe Müller Lütken, Bruno Liebler, Eren Gündar, Emmi Büter, Peter Steden und Chenoa North-Harder – Foto: Arno Declair

Eine Klassenfahrt mit Folgen. Als sechs von sieben Schwangerschaftstests positiv ausfallen, taumeln die 13-Jährigen freudig in ihren roten Overalls durch den weißen Raum. In Tanja Šlijvars „Draufgängerinnen“ feiern sie ihren aus Sicht der Erwachsenen skandalösen Zustand als Chance, sich zu emanzipieren.

Weder erklärt, noch problematisiert die in Deutschland lebende serbokroatische Autorin in ihrem preisgekrönten Text Teenagerschwangerschaft. Stattdessen stellt sie den Mädchen die Bühne zur Verfügung, einem unreifen, wankelmütigen Chor. Eine echte Provokation für alle, die Moral, eine triftige Geschichte und also ihre schöne Ordnung brauchen.

Nach und nach beginnt zwischen den Sätzen die Anarchokraft der Gruppe zu leuchten. Und es entsteht ein Horizont der Unvernunft, poetisch und frei, immer entschiedener abgegrenzt von den üblichen Gewissheiten. Die Orgie der Autonomie ist zwar manchmal allzu ordentlich choreografiert, dennoch setzt sich ihre subversive Kraft durch. Und wie die Mädchen schwanger geworden sind und warum, tut nichts mehr zur Sache.

Regisseurin Salome Dastmalchi hat einen guten Job gemacht: Ena, Ana, Una, Ina, Ona, Mia und Lia spielen und träumen, genießen ihre Macht, ziehen ihre Optionen in Betracht und trumpfen auch solistisch auf. Sie haben uns etwas zu sagen. Schließlich tragen sie die Zukunft der Kleinstadt in ihren befruchteten Leibern. ANNA OPEL

22.4., 2.5., 19 Uhr, Deutsches Theater – Box, Schumannstr. 13a, Mitte. Regie: Salome Dastmalchi; mit Peter Steden, Eren Gündar, Livia Marlene Wolf, Marthe Müller Lütken, Chenoa North-Harder, Emmi Büter, Bruno Lieble. Eintritt 14, erm. 6 €

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