Drama

Draußen in meinem Kopf

Regisseurin Eibe Maleen Krebs erzählt die Geschichte einer Freundschaft, die radikal um den Tod kreist, als mitreißendes, dialoggetriebenes Kammerspiel

Einander verbunden: Christoph (Nils Hohenhövel, li.) und Sven (Samuel Koch)
Foto: Salzgeber

Svens Muskeln schwinden, sein Zimmer im Heim kann er nicht mehr verlassen, doch umso findiger ist er mit Worten – was Christoph, der frisch nach dem Abi sein Freiwilliges Soziales Jahr antritt, hart vor den Kopf stößt – da es ihm schwerfällt, den abgebrühten Fragen von Sven etwas Substanzielles entgegenzusetzen. Christoph (sensibel: Nils Hohenhövel) gibt wenig preis, außer dass er Schifffahrt studieren ­möchte, doch was beschäftigt, was belastet ihn? Auch Sven (charismatisch: Samuel Koch), der sein baldiges Sterben scheinbar akzeptiert hat, auf Gin-Tonic feiert und ­todestrunken Bach-Kantaten hört, blockt bei anderen Themen.

Doch finden die beiden jungen ­Männer, die auf den ersten Blick vieles trennt – nicht nur Bach vs. Metal, sondern ein wahrer Clash der Charaktere – mit der Zeit auf ­einen grünen Zweig, wenn auch ­einen wackeligen.

Das Drehbuch lässt sich Zeit für diese Annäherung, die nicht übers Knie gebrochen sein will. Man beginnt zu verstehen, wie sorgfältig, akribisch geradezu, Sven sich sein Zimmer, seine Welt im ­Grunde, eingerichtet hat. Die Boxen stehen so, dass Bach in Svens Bett am himmlischsten klingt. Doch auch alles andere hat ­seinen Ort, und der für Sven muss eben erst noch ­gefunden werden. Auf tragikomisch schmalem Grat erleben wir, wie Sven mit seinen Heim-­Homies, diesmal sogar auch Christoph, munter in den Abend reinfeiert und dann abstürzt. Wie die anderen mit Sven umgehen, ist in der Oberfläche gut gemeint und just deshalb nicht immer gut – Christoph gibt ihnen, nach und nach, contra.Es blitzen Momente bedingungloser Offenheit auf, etwa wenn Christoph Sven auf dessen Wunsch hin in einen Müllsack wickelt, ­damit er ­etwas auf der Haut spürt. Oder ­Momente der Verletzung: Christoph wird Sven schier waterboarden.

Wie Regisseurin Eibe Maleen Krebs es gelingt, auf wenigen Quadratmetern ­poe­tisch fotografierten Zimmers in zarten ­Close-Ups auf die harten Dinge zu sprechen zu kommen – da kommt einem der ­Gedanke, dass das Wort „Kammerspiel“ kaum je zuvor zu Recht verwendet wurde. Ein mit­reißend dialoggetriebenes Drama über innere Barrikaden und Vertrauen, das keinen Halt mehr macht. 

D 2018, 99 Min., R: Eibe Maleen Krebs, D: Samuel Koch, Nils Hohenhövel, Start: 26.4.

Facebook Kommentare

[fbcomments]