FIGUREN/OBJEKTTHEATER

Drei Bärtige

Flucht und Migration als uralte ­Geschichte und die Sehnsucht nach ­einem kleinen weißen Haus

Auch die Spielerinnen tragen Bärte – Foto: Lutz Antes

Gyula Molnár und Francesca Bettini gelten als Meister des Objekttheaters. Mit der Gruppe Kaufmann & Co haben sie seit Langem inspirierende Arbeitsbeziehungen. Jetzt haben sie die Geschichte vom Exodus der Israeliten im 2. Buch Mose aufgegriffen, um ihre Zweifel, Fragen und Sehnsüchte zum Zusammenleben in unserer Welt in Szene zu setzen.

Die mit Bärten maskierten Spieler haben Spaß und Ideen. Dabei erschaffen sie ein ganzes Volk – holzgeschnitzte Figuren, mit denen sich auftrumpfen lässt. Ein Rhythmus entsteht. Aber auch Stille wird hörbar gemacht. Dürre. Es ist zu hören, wenn das Holz reißt. 40 Jahre Marsch durch die Wüste oder 40 Jahre Stillstand? Durst, Hunger und Revolte werden erlebbar. ­Die Spielerin Alexandra Kaufmann setzt sich an die Spitze des Flüchtlingszugs, um ihn dorthin zu führen, wovon sie selbst träumt: an einen Ort, wo es kleine weiße Häuser und fruchtbare Felder gibt.

Es gibt Konflikte auf Leben und Tod und poetisch anrührende Szenen, etwa wenn Molnár den aufrührerischen Poeten rettet und in seinem Barte wiegt. Den ungeduldigen Widerpart spielt Eva Kaufmann. Sie hat Manna an alle verteilt. Doch letztendlich will sie alle Figuren für Geld verscherbeln. Viele Ebenen, zu viele Geschichten zusammengemixt. Aber das schöne Spiel und die großartige Szenografie begeistern. BARBARA FUCHS

12. + 13. 1. (mit Publikumsgespräch), 20 Uhr, Schaubude Berlin, Greifswalder Str. 81-84, Prenzlauer Berg. Regie: Francesca Bettini; mit Alexandra Kaufmann, Eva Kaufmann, Gyula Molnár. Eintritt 12,50, erm. 8 €