BEZIEHUNGSKOMÖDIE

Drei Mal Leben

Vom Feinsten sind Regie und Besetzung. Nur statt Funken erzeugt der Abend eher gepflegte Langeweile

Illustres Ensemble: Constanze Becker, Nico Holonics, Judith Engel, August Diehl (v.l.n.r.),  aber ach! – Foto: Bernd Uhlig

Nachdem sich im Repertoire des BEs bereits die Yasmina-Reza-Hits „Kunst“ und „Der Gott des Gemetzels“ befinden, hat Intendant Oliver Reese nun Andrea Breth mit der Neuinszenierung eines dritten Erfolgsstücks der meistgespielten Gegenwartsautorin betreut. Ein Coup: Denn die ehemalige Schaubühnen-Intendantin, die als Meisterin eines psychologischen Realismus gilt, inszeniert nach über zehn Jahren erstmals wieder ein Sprech­theaterstück in Berlin. Und dazu mit einer Starbesetzung um Constanze Becker, ­Judith Engel und August Diehl

Aber ach, welch ein Missverständnis! Denn Rezas Stücke verbindet eine genaue Sezierung gutsituierter Mittelstandsmenschen mit gehobener Boulevardkomik, sie bleiben also immer auch Komödien. Doch die Komödie treibt Breth hier dem Stück um zwei Paare, die sich nach allen Regeln der Wohlerzogenheit, Missgunst und Demütigung in drei Varia­tionen (deshalb „Drei Mal Leben“) gegenseitig das Leben zur zivilisierten Vorhölle machen, völlig aus.

So absurd die Situationen (die Gäste kommen einen Tag zu früh zu Besuch, es gibt improvisierte Snacks statt Drei-Gänge-Menü, das Kind im Zimmer nebenan quengelt), ist Breth allzu sehr damit beschäftigt, den Figu­ren ­irgendeine Seelenschwere mitzugeben, wobei die komisch-absurden Situationen und Pointen nahezu völlig untergehen. Obgleich besonders Judith Engel und Nico Holonics ihren Figuren komische Grundierungen geben, nerven diese selbstbezogen auf hohem Niveau jammernden Menschen eigentlich nur. Schade. FRIEDHELM TEICKE

14. + 15.2., 19.30 Uhr, 16.2., 18 Uhr, Berliner Ensemble, Bertolt-Brecht-Platz 1, Mitte. Regie: Andrea Breth; mit Constanze Becker, August Diehl, Judith Engel, Nico Holonics. E: 13-42 €