TANZTHEATER

Duato | Shechter

Das Staatsballett wuchtet thematisch schwere Kost auf die Bühne

Szene aus Shechters „The Art of Not Looking Back“ – Foto: Fernando Marcos Ibanez
ZITTY-Bewertung: 4/6

Kulturpolitisch hohe Wellen hat das Staatsballett zuletzt geschlagen: Einem Tänzerstreik zur Durchsetzung eines Haustarifvertrags (zu Recht erfolgreich) folgte der Ballerinenprotest gegen die Berufung von Sasha Waltz zur ­neuen Co-Intendantin (zu Recht erfolglos), und nun hängt Noch-Intendant Nacho Duato seinen Posten auch noch ein Jahr früher an den Nagel. Die wohl letzte Kreation des Spaniers für Berlin wurde deshalb mit Spannung erwartet.

Doch zuerst einmal gehörte die Bühne dem britisch-israelischen Choreografen Hofesh Shechter mit „The Art of Not Looking Back“. Die fiebrig voranstürmende Arbeit kreist um archetypische Frauen- und Mutterbilder und um Traumata des Verlassenwerdens. Der Sog der rohen Bewegungsenergie, den die sechs Tänzerinnen entfesseln, packt von der ersten Minute an und macht den Auftakt zum gelungenen Teil des Abends.

Auf ganz anderen Pfaden wandelt Nacho Duato: In „Erde“ will er dem Anthropozän einen Spiegel vorhalten. Dass seine Kritik an der menschgemachten Umweltzerstörung relativ schnell aus den ästhetisch auf Hochglanz polierten Bildern entweicht, liegt vor allem am Schwelgen in plakativer Symbolik. Da gemahnen Glockenschläge an fünf vor zwölf, da wird Ksenia Ovsyanick als Mutter Erde von ihren Mittänzern rüde hin- und hergeworfen. Wenn am Ende schließlich noch eine Wald­attrappe auf die Bühne rollt und die Solis­tin sich dekorativ hineindrapieren darf, dann küsst vollends der Kitsch den Tanz. ANNETT JAENSCH

23., 24. + 29.5., 19.30 Uhr, Komische Oper, Behrenstr. 55-57, Mitte. Eintritt 15-49