Westbams Club-ABC:

E wie Exit

Das Exit war ein Club in der holzgetäfelten DDR-Großgaststätte Ahornblatt, der schon in der Prä-Poptechno-Ära  melodiös angetranceten,  sehr poppigen Techno einem breiten, sehr jungen und feierwütigen Publikum mit großem Ost-Überschuss bekanntmachte. Dorthin kamen eben jene typischen Adidas-Trainingsjackenraver, die das Image der ganzen Szene für immer prägen sollten.
Musikalisch stand das Exit unter der Ägide des berühmt-berüchtigten DJ Spezial. Dem Herrn der guten Laune eiferte kurz nach dem Ende der Tekknozid-Ära sogar der einstige Herr der fiesen Töne, DJ Tanith nach, wenn es um das Abspielen der softesten und melodiösesten Happytechno-Nummern ging.
Wenn heute die Minimal-Generation der neuen hippen Berliner Läden posaunt, dass sie das exzessive Feiern erst erfunden hätte, dann hätte sie sich im Exit davon überzeugen können, dass erheblicher Zweifel an der Urheberschaft dieser Gabe besteht – der Unterschied zwischen den Läden und Generationen ist, dass im Exit die ganz große Mehrheit der Besucher noch vom Abend zuvor wachgeblieben war.
Es gab dort ein 14-jähriges Mädchen, das immer mit seinem Stoffhäschen unterwegs war und von dem es hieß, dass es im Exit wohnen würde, weil es von zu Hause abgehauen sei. Heute, so hörte ich später einmal, arbeitet sie im Controlling einer führenden Unternehmensberatung. Überraschend, dass sehr viele Clubkids trotz ungünstiger Sozialprognose teilweise erstaunliche Karrieren machen. Das Nachtleben ist eben doch nicht die schlechteste Schule.
 
Zeitpunkt des Besuchs: 1993
Ort: Gertraudenstraße/Ecke Fischerinsel
Typischer Track des Ladens: DJ Hooligan – The Imagination Of House (No Respect Records)

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