TANZSOLO

Écoute… Chopin! / Thalamus

Seltener Auftritt einer Tanz-Ikone

Pionierin des Tanztheaters: Susanne Linke – Foto: Edoardo Oppliger

„Ich will, dass der ganze Mensch tanzt.“ Sich vollends dem Ausdruck zu verschreiben, das war schon immer Susanne Linkes künstlerischer Kompass. Die Wigman-Schülerin und langjährige Leiterin des Folkwang Tanzstudios gehört neben Pina Bausch und Reinhild Hoffmann zu den starken Frauen aus der Pioniergeneration des deutschen Tanztheaters. In ihrem Körperarchiv steckt das Erbe des expressionistisch gefärbten Ausdruckstanzes der Vorkriegszeit ebenso wie die zeitgenössische Prägung. Nun zeigt die Mittsiebzigerin ihre jüngste Solo-Arbeit.

Wie sie in „Écoute… Chopin!“ den Raum durchmisst, Schwünge hineinschreibt, macht einmal mehr klar: Kein geschwätziges Dekor, nichts Überflüssiges verstellt den Blick auf die freigelegte Innerlichkeit. Welche Wege nehmen die Emotionen durch den Körper? Was für Geschichten erzählen die Bewegungen? Diese Fragen schwingen mit, wenn Linke sich zum feinnervigen Echo der Klavier-Präludien von Chopin macht.

Ebenfalls auf der Bühne zu erleben ist ihr künstlerischer Weggefährte Urs Dietrich, mit dem sie unter anderem das Tanzthea­ter Bremen leitete. Sein Solo „Thalamus“ verfolgt die Suchbewegungen eines fragmentierten Ichs. Das subtile Spiel mit der eigenen Identität lässt aktuelle Gesellschaftsbefunde wie das Gefühl von Verlorenheit und Überforderung durchscheinen. Zwei starke Stücke Tanz. ANNETT JAENSCH

5.+7.9., 20.30 Uhr, Halle Tanzbühne Berlin, Eberswalder Str. 10, Prenzlauer Berg. Eintritt 18, erm. 14 €