Kino

Edie – Für Träume ist es nie zu spät

Eigentlich meinte der Imbissinhaber nur die Portion Pommes. Doch als er Edie (Sheila Hancock) „Es ist dafür nie zu spät“ zuruft, denkt die betagte Dame am Tisch an etwas ganz Anderes: an Mount Suilven, einen Berg in den schottischen Highlands auf der Postkarte, die ihr der Vater einst schickte. „Lass uns den Berg zusammen besteigen, um der alten Zeiten Willen“, schrieb er damals darauf. Dazu kam es aber nie. Ihr Vater starb kurze Zeit später. Außerdem wurde ihr Mann zum Pflegefall, um den sie sich in ihrer zutiefst unglücklichen Ehe noch Jahrzehnte kümmerte. Doch trotz ihrer 83 Jahre will Edie es jetzt doch noch wagen und sich mit Hilfe des Wanderführers Jonny (Kevin Guthrie) diesen kühnen Wunsch eines letzten, großen Abenteuers erfüllen. Den Weg auf den Gipfel zeichnet nun die nachdenkliche, bestenfalls sanft komische Tragikomödie „Edie – Für Träume ist es nie zu spät“ nach.

Foto: Cape Wrath Films Ltd

Doch wie soll es die Schottin schaffen, so gut sie auch noch auf den Beinen ist, die steilen und steinigen 731 Meter hochzuwandern? Der Kontrast zwischen dem Vorhaben und Edies altersbedingten Einschränkungen liefert der Verfilmung dieser wahren Begebenheit natürlich schon mal einen gewissen Reiz. Dramaturgisch allerdings bleibt Simon Hunters Film dabei zu genügsam und kann die vielen, langen Szenen nicht immer mit genug Substanz füllen, während er mit bisweilen recht enervierendem Musikeinsatz von unerwarteter Freundschaft, tiefem Bedauern, starkem Willen und alterslosem Abenteuer erzählt.

Immerhin aber setzt „Edie“ bis zum Bergfinale nicht nur immer wieder die karge Schönheit der Highlands mit breiten Panoramen in Szene. Es gibt auch Sheila Hancock in der Hauptrolle, in deren schweifenden, schwermütigen, wachen Blicken die unterschiedlichsten Gefühle vieler Lebensjahrzehnte liegen. Sascha Rettig

GB 2017, 102 Min., R: Simon Hunter, D: Sheila Hancock, Kevin Guthrie, Amy Manson

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