KAFKA-ADAPTION

Ein Bericht für eine Akademie

Wer ist hier authentischer? Oliver Frljić spürt Franz Kafkas Erzählung nach

Eine alte Theaterregel lautet, dass Kinder und Tiere nicht auf die Bühne gehören, da sie die Aufmerksamkeit ganz auf sich ziehen, so dass selbst die größte Schauspielkunst keine rechte Beachtung mehr findet. Das ist anschaulich in Oliver Frljićs Kafka-Adaption zu erleben, als Jeany auftritt. Ein echter Pavian! Auch der derzeit zu recht hoch gehandelte Jung­star ­Jonas Dassler, der gerade als zivilisierter Affe Rotpeter über seine Menschwerdung räsoniert, kommt gegen die sich neben ihm wohlig kratzende Paviandame nicht an. Alle Augen liegen auf ihr.

Jungstar Jonas Dassler als zivilisierter Affe Rotpeter mit tierischem Kollegen – Foto: Ute Langkafel / Maifoto

Warum Frljić einen echten Affen ins erweiterte Geschehen holt, in dem der Mensch-Affe Rotpeter aus Kafkas „Bericht für eine Akademie“ in die Tierpark-Dynastie Hagenbeck einheiratet und schließlich als Abgeordneter ins Parlament einzieht, bleibt unklar.

Dazu setzt Frljić noch einen weiteren Kontrastaffen zu Rotpeter, den nicht ganz so zivilisierten Peter (mit viel Mut zur Körperlichkeit: Aram Tafreshian), ein Zoo-Showaffe, der sich aller Zivilisationszwänge entledigt und nackt durch die Zuschauerreihen tobt. Wer ist der affigere Mensch, der menschlichere Affe? „Bilde dir nicht ein, dass einer von uns authentischer ist“, sagt Peter.

Was inhaltlich eine eher platte und wohlfeile Zivilisationskritik ist, wird aber durch das stark aufspielende Ensemble zu einem faszinierendem Erlebnis – allen voran Jonas Dassler. Solange ihm Jeany nicht die Show stiehlt. FRIEDHELM TEICKE

7.+30.3., 19.30 Uhr, Maxim Gorki Theater, Am Festungsgraben 2, Mitte. Regie: Oliver Frljić; mit Mehmet Ateşçi, Jonas Dassler, Lea Draeger, Aram Tafreshian, Sesede Terziyan u.a., Eintritt 10–38, erm. 8 €