Pink Washing

Ein Bier für Frauen

Die auch in der Torstraße beheimatete Brauerei Mikkeller verkauft jetzt ein Bier explizit für Frauen. Es verrät viel darüber, wie Feminismus zu einem Marketingtool geworden ist

Frauenbier
Foto: Mikkeller

Eigentlich ist die dänische Brauerei Mikkeller für ihren guten Stil bekannt. Im Glas und auf den stets grafisch gehaltenen Etiketten. Nun aber haben es die Craftbeer-Hipster (Bar in der Torstraße) mit den Zeichen und Zuschreibungen etwas zu lax genommen. Gemeinsam mit der Kampagne Girls are Awesome wurde ein Bier gelauncht, dass sich explizit an Biertrinkerinnen richtet. Nur mit den Biertrinkerinnen hat keiner geredet.

Problematisch ist dabei einiges: etwa, dass die „Female“-Biere genderplakativ nach Haarfarben unterschieden werden (blonde und brunette). Zudem war am Brauprozess keine einzige Frau beteiligt. Dabei hat die Branche doch gerade erst Frauen als künftige Konsumentinnen ausgemacht. Produzentinnen gäbe es in der Szene indes längst genug, in Berlin etwa BRLO-Gründerin Katharina Kurz oder die Berliner-Weiße-Brauerin Ulrike Genz. Das „Female“-Beer aber blieb reine Männersache. Ganz ähnlich lief es schon bei der schottischen Craftbeer-Größe Brewdog (Gastro-Pub in der Ackerstraße), die seit 2017 ihr, nun ja, weiblicheres Bier am Hahn hat. Entlarvender Name: Pink IPA.

Kathrin Kuna, die lange in der Markthalle Neun gearbeitet hat und selbiges nun für die Kopenhagener Köchin Trine Hannemann macht, spricht deshalb vom „Pink Washing“ und vom „miesen Gefühl“, dass Frauen doch wieder nur auf sexualisierte Zuschreibungen verkürzt werden: „Eine wirklich diverse Repräsentation und ein Interesse am Dialog kann ich da nicht ausmachen.“

Übrigens: Die „Girls are Awesome“-Kampagne könnte man auch in Berlin kennen. Initiiert wurde sie von einem (männlichen) Medienmacher, ursprünglich hieß eine Rubrik im dänischen Skateboardmagazin „Bitch­slap“ so. Sie zeigte Teenagerinnen in lässigen bis lasziven Posen, was bald auch Marken wie Adidas aufgefallen war. Girls ­are Awesome – im vergangenen Herbst wurde diese Turnschuhwerbung an vielen Berliner Fassaden plakatiert. Die Botschaft: Es ist cool, Frau zu sein, egal welcher Hautfarbe und Herkunft, Hauptsache du bist hip, laut und sexy.

Im Falle von Mikkeller waren es nun die Frauen selbst, die laut geworden sind. Das Launchevent des Bieres in Kopenhagen ist jedenfalls ziemlich ins Wasser gefallen, weil gleich mehrere weibliche DJs ihre Auftritte abgesagt hatten. Auslöser war ein offener Brief der Journalistin Lena Rutkowski, in der diese etwa von der vertanen Chance gesprochen hatte, das Thema Bier aus seinem machistischen Kontext zu lösen. Vielleicht, so Rutkowski, habe sie den Witz auch einfach nicht verstanden. Nur hat man bei Mikkeller bisher kein Interesse daran, den „Witz“ noch einmal zu erklären.