Dokumentarfilm

Ein Haus in Ninh Hoa

Eine Familiengeschichte zwischen Vietnam und Deutschland

ZITTY-Bewertung 6/6
ZITTY-Bewertung 6/6

Ein Mann namens Phuong kam 1972 als Diplomat nach Deutschland. Das Land, das ihn entsandt hatte, gab es bald nicht mehr: 1975 endete der Vietnamkrieg mit einem Sieg des kommunistischen Nordens. Dieser Dokumentarfilm zeigt eine Weltanschauung, die das Leben der Menschen prägt: der Glaube an eine Verbindung mit den Toten. Der Berliner Dokumentarfilmer Philip Widman hat sich mit Phuong-Dan zusammengetan, Künstler, Performer und DJ aus Hamburg. Er ist ein Sohn des Diplomaten, und hier geht es um seine Familiengeschichte.

Ein Haus in Ninh Hoa
Foto: Grand Films

Der Film hat ein detektivisches Grundmotiv, weil ein Onkel von Phuong-Dan im Krieg verschwand. Und so werden zahlreiche spirituelle Ratgeber bemüht, um herauszufinden, wo sich seine sterblichen Überreste befinden. Er soll zur Ruhe gebracht werden – das kann man sinnbildlich dafür sehen, dass die vietnamesischen Lebensgeschichten noch von den Wunden des Kriegs gezeichnet sind.

Ruhe ist die Grundstimmung dieses berührenden Films, der sein Publikum allmählich mit einer Familie bekannt macht, von der es einen lebendigen und einen abwesenden Teil gibt, und in der es auf mehreren Ebenen um Medien geht. Denn für die Verbindung mit dem Jenseits braucht man Ausgangsmaterial: eine vergilbte Fotografie von Onkel Ham – die zentrale Einstellung des Films. Ein großer Film über eine Vergangenheit, die nicht vergeht.  

D/VIE 2015, 113 Min., R: Philip Widman

https://www.zitty.de/event/dokumentarfilm/ein-haus-in-ninh-hoa/