Berlin

Ein Knastrestaurant für Berlin?

Häftlinge, die für Gäste von draußen kochen? Ein Knastrestaurant macht es möglich. Bild: fotolia.com © Kzenon (#119466690)

Berlin hat ja so einiges zu bieten an Erlebnisgastronomie. Aber das würde den Vogel abschießen: ein Restaurant im Gefängnis, in dem Häftlinge kochen und kellnern – für Gäste von draußen. Der neue Justizsenator Dirk Behrendt findet das eine tolle Idee und möchte sie so bald wie möglich in die Tat umsetzen.

Ganz neu ist das Ganze nicht: In Italien gibt es schon ein entsprechendes Modellprojekt, das seit vielen Jahren mit großem Erfolg betrieben wird. Im Gefängnis Bollate in Mailand betreiben Inhaftierte ein Restaurant namens „InGalera“ (wörtlich: im Gefängnis). Dabei übernehmen sie sämtliche Aufgaben vom Zubereiten bis zum Servieren der Speisen. So ein Ausflug ins Gefängnis ist für Besucher weniger aufwendig, als man vielleicht denkt. Man muss seinen Besuch lediglich telefonisch ankündigen und sich am Eingang kontrollieren lassen: Das Telefon kann man mitnehmen, eine Ausweiskontrolle ist nicht notwendig. Dann wird man durch den Besucherraum der Strafanstalt begleitet und ins Restaurant geführt.

Soziales Projekt mit kommerziellem Erfolg

Zuerst kämen die Besucher vor allem wegen der außergewöhnlichen Location, so der Leiter der Anstalt, doch der freundliche Service und das gute Essen würden viele überzeugen, wiederzukommen. Das Konzept scheint aufzugehen: Wer einen der 50 Sitzplätze ergattern will, muss inzwischen lange im Voraus reservieren. Das Schöne dabei: Das Projekt folgt auch einem sozialen Gedanken. Denn Besucher kommen in Kontakt mit Häftlingen, lernen diese kennen und können Vorurteile abbauen, die häufig auf Inhaftierten lasten – besonders, wenn die Strafe abgesessen ist und es darum geht, wieder zurück in die Gesellschaft zu finden. Wer da bereits in der Anstalt erste Schritte unternommen hat, beispielsweise beim Erlenen eines neuen Berufes, hat entscheidende Vorteile.    

Dass so etwas auch in Deutschland möglich ist, zeigt ein Beispiel aus Thüringen. Die Jugendvollzugsanstalt in Arnstadt öffnet sechsmal im Jahr ihre Pforten für ein festliches Dinner, das von jugendlichen Straftätern unter Anleitung eines Lehrkochs zubereitet wird. Das Dinner wird im Beamtenspeisesaal serviert und konnte sich schon prominenter Gäste erfreuen, wie etwa Thüringens Justizminister Dieter Lauinger. Für die Besucher ist das Gefängnisrestaurant ein spannender Ausflug, für die inhaftierten Jugendlichen eine willkommene Abwechslung.

Viele offene Fragen

Der große Anklang dieser Projekte scheint auch Justizsenator Behrendt zu motivieren, ein Restaurant in einer Jugendvollzugsanstalt in Berlin anzustreben. Ein wichtiges Anliegen sei dabei, so Behrendt im Gespräch mit der Morgenpost, Gefängnisinsassen schon während des Vollzugs auf den Arbeitsmarkt vorzubereiten. Der Arbeitsmarkt in Berlin bietet nicht zuletzt im Bereich Gastronomie viele Stellen – bereits im Gefängnis auf dieses Arbeitsfeld vorzubereiten, könnte daher für viele attraktiv sein.

Bevor das Projekt realisiert werden kann, gibt es jedoch noch viele offene Fragen zu klären. Ein Gastronom muss sich finden, der das Restaurant betreiben will, außerdem ein Gefängnis, das über geeignete Räume verfügt, um ein Restaurant einzurichten. Justizsenator Behrendt, der seit Dezember Mitglied im rot-rot-grünen Senat ist, ist aber zuversichtlich, das Vorhaben umsetzen zu können. Bis es so weit ist, werde es aber wohl noch bis nächstes Jahr dauern.

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