Drama

Ein Lied für Nour

Braves Porträt eines palästinensischen Sangestalents

ZITTY-Bewertung: 3/6
ZITTY-Bewertung: 3/6

Vor drei Jahren gewann der Palästinenser Mohammed Assaf die Casting Show ‚Arab Idol‘. Er löste in seiner Heimat große Begeisterung aus. Hany Abu-Assad, der bisher mit dem Selbstmordattentäterwerk „Paradise Now“ (2006) oder dem Drama „Omar“ (2013) auf kontroversem Terrain unterwegs war, erzählt Assafs Geschichte als konventionelles Biopic – inklusive des fast zwangsläufigen Kindheits-Traumas, das als Erklärung für den Ehrgeiz des Protagonisten herhalten muss.

Ein Lied für Nour
Foto: Koch Media

Man wird jedoch das Gefühl nicht los, dass in Assafs Geschichte Spannenderes steckt als das, was der Film erzählt. Lieber würde man mehr über die an Widersprüchen reiche Gegenwart erfahren als über seine Jugend. Der wird viel Platz eingeräumt – was dem Regisseur die Möglichkeit gibt, nebenbei von den Realitäten im Gaza-Streifen zu erzählen, den Film aber auch zu einem etwas schlichten Crowdpleaser macht. Der junge Assaf, vor allem aber seine zielstrebige Schwester, die bald an einem Nierenleiden sterben wird, sind sehr charmante Sympathieträger. Die Probleme, mit denen sich der erwachsene Assaf herumschlagen muss – wie der Jugendfreund, der sich auf die Seite der islamistischen Milizen geschlagen hat –, erzählen auf eindrücklichere Weise von palästinensischen Lebenswelten.

„Ya tayr el tayer“, GB/NL/PAL/VAE/KAT 2015, 95 Min., R: Hany Abu-Assad, D: Tawfeek Barhom, Ahmed Al Rokh, Hiba Attalah

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