Historiendrama

Ein Sack voll Murmeln

Der Krieg nur als Hintergrund

Bekommt das Tragische aus Kindersicht automatisch den Anschein des Abenteuer­lichen? Diesen Gedanken legt der neue Film von Christian Duguay nahe, eine Neuverfilmung des Anfang der 70er-­Jahre erschienenen autobiografischen Romans „Ein Sack voll Murmeln“.

In diesem schilderte der 1931 in Paris geborene Joseph Joffo sein Leben, seine ­Jugend in der bald von den Nazis besetzten Stadt, in der das Leben für Joseph und seine jüdische Familie schnell unerträglich wird. Die Eltern schicken Joseph und seinen etwas älteren Bruder Maurice allein los, und tatsächlich gelingt den Brüdern die Flucht in den noch unbesetzten Teil Frankreichs. Doch diese kurze Phase der Sicherheit dauert nicht lange …

Ein Sck voll Murmeln
Zwei Brüder spielen mit Murmeln
Foto: Weltkino Thibault-rabherr Quad Forecast Gaumont

Als epischen Film inszeniert Duguay ­diese Geschichte, eingetaucht in satte Sepia­töne, reich ausgestattet mit vielen Uniformen und antiken Autos, unterlegt von aufjaulenden Geigen. Doch allzu schematisch ist die Geschichte, allzu bekannt läuft die Flucht der Brüder ab: Mal begegnet ihnen freundliche Unterstützung, mal übler Verrat. Besonders die beiden jungen Hauptdarsteller Dorian Le Clech und ­Batyste Fleurial machen ihre Sache zwar gut, doch ihre Todesgefahr mag sich durch die gefällige Inszenierung nie recht erschließen. Allzu glatt bügelt Duguays ­Inszenierung den Krieg, der hier kaum mehr als ein Hintergrund der Abenteuergeschichte ist. 

„Un Sac de billes“, F 2017, 110 Min.,  R: Christian Duguay, D: Dorian Le Clech, Batyste Fleurial

Ein Sack voll Murmeln

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