Das Eine-Frage-Interview

Comic-Zeichner Juan E. Ferreyra

Seit 1986 hilft der Comic Book Legal Defense Fund amerikanischen Comicmachern im Kampf gegen Zensur. Inzwischen erscheint jährlich eine Anthologie mit Kurzgeschichten. Eine der Storys im „Liberty Annual 2013“ behandelt die Verfolgung von Künstlern durch die Nazis. Sie wurde von Juan E. Ferreyra gezeichnet, der auch an der Inquisitions-Serie „Rex Mundi“ beteiligt ist.

Die neue Story dreht sich um den 1886 geborenen Kabarettisten und Schauspieler Paul Morgan, der in Berlin der Weimarer Zeit aktiv war und der 1938 im KZ Buchenwald starb. Autor Paul Tobin stieß während der Recherche für einen Roman über Morgan und war betrübt, dass die Lebensgeschichten vieler Satiriker damals ein so trauriges Ende nahmen.

Señor Ferreyra, Sie erzählen zeichnerisch von Zensur und Unterdrückung. Fühlen wir uns heute zu sicher, was die Unantastbarkeit unserer Meinungsfreiheit angeht?
Ja, obwohl das wohl auch damit zu tun hat, in welchem Teil der Welt man lebt. Jemand aus Europa oder den USA denkt sicher anders darüber als jemand aus Nordkorea. Ich zum Beispiel stamme aus Argentinien, wir feierten kürzlich erst das 30-jährige Jubiläum unserer Demokratie – die längste Periode seit den Anfängen unserer Nation. Und wir wissen wirklich ganz genau, dass das, was wir haben, sehr wichtig ist und dass wir gut darauf aufpassen müssen. Viele Menschen erinnern sich, wie es vor noch nicht allzu langer Zeit gewesen ist. Als ich ein kleiner Junge war, konnte einen das Militär für immer von der Bildfläche verschwinden lassen, wenn man bloß etwas las, das sie für subversiv hielten. Es wäre verrückt, uns unsere Grundrechte wegzunehmen. Aber wir müssen überall auf der Welt wachsam bleiben, nur für den Fall.