Zwischenbilanz

Einzelschauen von Willem de Rooji und Lucy Skaer

Seit Krist ­Gruijthuijsen die Kunst-Werke leitet, herrscht dort professionelle Hilflosigkeit

Wo die Ziegel drücken: „La Chasse“, 2017, von Lucy Skaer im KW Institute for Contemporary Arts
Foto: Frank Sperling

Die zwei Künstler bewegen sich in der ersten Liga eines integren Kunstfeldes: Lucy Skaer und Willem de Rooij. Was sie eint? Beide lassen sich künstlerisch einem Romantischen Konzeptualismus zuordnen, die Britin Skaer, 1975 geboren und 2009 für den Turner-Preis nominiert, und der Niederländer de Rooij aus Berlin, 1969 geboren und Professor an der Frank­furter ­Städelschule. Beider Reduktionen erzeugen Verschiebungen, die zu faszinierenden Bildern von Sinn und Nicht-Sinn verschmelzen. Unvergessen: Skaers Ausstellung in der Basler Kunsthalle mit Mauerwand und Walskelett 2009 und de Rooijs Ausstellung „Intolerance“ 2010 in der Neuen Nationalgalerie, die barocke Vogelbilder mit rituellem Federschmuck konfrontierte. Zwei tolle Künstler mit hoher Szene-Credibility.

Sonst Gemeinsamkeiten? Nein. Außer, dass Skaer und de Rooij nun mit großen Einzelausstellungen die zweite Runde von Ausstellungen der Kunst-Werke unter Leitung von Krist Gruijthuijsen bestreiten, der im Sommer den Posten antrat. Was im Kalkül der Kuratoren zu einem Co-Branding hätte führen sollen – zwei Große vollbringen gemeinsam etwas ganz Großes – gerät zu ­einer flachen Veranstaltung, die der Besucher mit einem schulterzuckenden „So what?“ verlässt. Dabei ärgert sich der Gast bereits über den neuen Eingang, der ihm zu­mutet, sich durch den Dienstboten­eingang zu zwängen, statt wie einst vom Hauptportal empfangen zu werden. Ist er hier nur noch geduldet? Einmal durch ­einen Glitzer­klimper-Vorhang im Foyer hindurch, wird ihm klar, dass nun Schluss mit Lustig ist.

Für den ersten Raum wurde de Rooijs 135 mal 280 Zentimeter große Arbeit „Blue to Blue“ aus einer Privatsammlung entliehen, ein auf einen Holzrahmen gleichmäßig gespanntes Gewebe aus blauen Polyesterfäden. Das ist schön anzusehen und scheint etwas mit dem Vitri­nentisch daneben zu tun zu haben. „Blue Table“ von 2004 präsentiert blau pigmentierte Druckerzeug­nisse zu dem 16mm-Film „I’m Coming Home in Forty Days“ von 1997 ­einen Raum weiter. Damals filmte der Künstler bei der Umrundung eines Eisberges vor Grönland die Wasserkante. Der Betrachter wohnt dieser Fahrt bei, einem eindrücklichen Memen­to zu Vergänglichkeit und dem Verrinnen von Zeit. 2014 hat de Rooij Grönland erneut besucht und das Geheul von Schlitten­hunden aufgenommen. Wie der Film von langen ­Pausen unterbrochen, heulen sie nun in der abgedunkelten Halle aus den zwölf Kanälen der Audioinstallation „Ilulissat“ von 2014 um die Wette. Da wird mit großer Kelle angerührt.

Dagegen wirken die Arbeiten von Lucy Skaer in den oberen Etagen zierlich und bescheiden und bedienen so unfreiwillig das Klischee züchtiger Kunst aus Frauenhand. Nach einigen Tischlein-Deck-Dich-Arrangements und dem 16mm-Film „Rachel, Peter, Caitlin, John“ geht es hinauf in den zweiten Stock mit der Auftragsarbeit „La Chasse“ von 2017 (Die Jagd). Die seriellen Tonobjekte auf dem Boden lassen ebenso an die Niederwildjagd Erich Honeckers wie an – Achtung, Frauenkunst! – die Jagd der Diana denken. Zu allem Überfluss ­drücken die blanken Ziegel, die bei der jüngsten Sanierung in der Decke sichtbar wurden, auf Skaers kleinteilige Arbeiten. Die kuratorische Hilflosigkeit ist da in Großbuchstaben an die Wand geschrieben.

Bis 17.12.: Willem de Rooij. Bis 7.1.: Lucy Skaer, KW, Auguststr. 69, Mi-Mo 11-19, Do bis 21 Uhr, 8/erm. 6 €, Do ab 18 Uhr +1. So/Monat frei