Kino

El mar la mar

Die Sonora-Wüste liegt halb in Mexiko, halb in den USA. Wenn Donald Trump die berüchtigte Mauer bauen lassen ­wollte, dann würde sie auch die Sonora durchschneiden. Dabei kann man hier sehr schön sehen, wie der Planet in einer ­(heißen) Zukunft ohne Menschen aus­sehen könnte.

El Mar la mar
El Mar la mar
Foto: Arsenal Distribution

In diesem Dokumentarfilm zeigen die beiden US-Amerikaner Joshua ­Bonnetta und J.P. Sniadecki die Sonora als einen fast schon abstrakten Raum: Die Aufnahmen mit 16mm-Filmmaterial lassen erst allmählich erkennen, dass man sich in einer konkreten Landschaft befindet, und dann fügen die Filmemacher auch Stimmen hinzu, die eine geisterhafte zweite Ebene öffnen. Darin zeigt sich der Charakter der Wüste in seiner Zwiespältigkeit: ein erhabener Ort, an dem Menschen im Grunde nichts verloren haben, der aber voll ist von den Spuren, die Menschen hinterlassen haben. Eine Brille, ein einzelner Schuh – das sind Indizien, dass die Sonora ein tödliches Terrain sein kann.

„El mar la mar“ kommt aus dem Sensoray Ethnography Lab der Harvard-Universität, einer experimentellen Filmschule, die in den letzten Jahren zahlreiche groß­artige Arbeiten hervorgebracht hat. Dieser flirrende Grenzgang zwischen Natur und Kultur ist ein herausragender künstlerischer Dokumentarfilm – bis zum letzten Bild mit einem heraufziehenden Sturm macht man eine intensive Kinoerfahrung. 

USA 2017, 94 Min., R: Joshua Bonnetta und J.P. Sniadecki, Start: 7.6.

El mar la mar

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