Dokumentarfilm

Eldorado

Der Schweizer Markus Imhoof reflektiert erneut das Flüchtlingsthema

Der Helfer trägt Plastikhandschuhe
Foto: Peter Indergand/Majestic/Zero One Film

Markus Imhoofs Film „Das Boot ist voll“ von 1980 war eine Anklage gegen ein ­reiches Land wie die Schweiz, das sich aus ­seiner Verantwortung stehlen ­wollte. Im Vergleich zum kleinen „Rettungsboot“ Schweiz sind Deutschland oder gar die ­Europäische Union ziemlich große ­Schiffe, aber der Sinn bleibt der gleiche: Wie viele passen rein?

Aus seiner Kindheit erinnert sich Imhoof an eine Italienerin namens Giovanna, die auf den Hof seiner Eltern kam, um dort „aufgefüttert“ zu werden. Mit diesen Erinnerungen im Kopf stach er für „Eldorado“ in See. Der 76-Jährige ließ sich auf einem Schiff der italienischen Marine „embedden“, das Flüchtlinge aus dem Mittelmeer aufnimmt und nach Europa (in die Asylprozeduren) bringt. Man kann beobach­ten, wie das abläuft, wenn Experten in Schutzanzügen die Menschen in Empfang nehmen, die zuerst wie potenzielle Infektionsträger behandelt werden. Ein deutliches Bild für die Verhältnisse: hier eine hoch technisierte Zivilisation, dort das (fast) nackte Leben.

Zwei Bewegungen laufen parallel: Imhoof verfolgt den Weg des Schiffs und seiner Passagiere bis in ein Lager in Italien. Und er erzählt die Geschichte von Giovanna, die für den Knaben Imhoof damals in vielerlei Hinsicht prägend geworden ist. Der Vorzug des Films liegt darin, dass er nicht einfach ein Geschehen zu dokumentieren versucht, das von außen an eine Gesellschaft herangetragen wird, sondern dass er zeigt, dass „Eldorado“ und Inferno historische Größen sind.

CH/D 2018, 95 Min., R: Markus Imhoof

Eldorado (2018)

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