MUSiKTHEATER

Elfie

Viele Bilder, wenig Zuschauerführung – die Adaption von Tankred Dorsts „Mordgeschichte“ verwirrt

Sehenswert: Inka Löwendorf als Elfie – Foto: Matthias Heyde

Elfie (Ilka Löwendorf), eine Mischung aus Madame Bovary, Effie Briest und Lulu, bricht aus der muffig-spießigen und lustfeindlichen Welt aus, in der sich ihr Mann, der Mathelehrer Ernst (Clemens Gnad), eingerichtet hat. Mit geradezu nymphomanischer Besessenheit durchforstet sie die Betten der Freunde. Am Ende wird sie vom Gatten ermordet.

Ein Stoff wie gemacht für die Musikbühne ist diese „Mordgeschichte“ von Tankred Dorst und Ursula Erler – dachten sich Regisseur Martin G. Berger und Dramaturg Bernhard Glocksin und schufen daraus die Kammeroper „Elfie“. Leider zerfällt der Abend in zu ­viele Einzelszenen, die sich nicht zu einem stimmigen Ganzen formen.

Eine Mitschuld trägt auch der Bühnenraum von Sarah-Katharina Karl, in dessen Mitte sich das Publikum um ein quadratisches Podest gruppiert und um das ein Modellbahn-ICE unermütlich seine Bahnen zieht, videovergrößert auf umlaufende Screens. Da die Akteure den ganzen Raum ringsum bespielen, ist mitunter unklar, wohin man schauen soll. Den Abend rettet die nonkonformistisch-freche Musik Wolfgang Böhmers, die einzelne Instrumentalgruppen, Charaktere sowie Situationen psychologisch auswalzt. Auch Inka Löwendorfs selbstbewusst-promiske Verkörperung der Elfie ist sehenswert. HERMANN-JOSEF FOHSEL

14.–17.2., 24., 26. + 28.2., 1.–3.3., 20 Uhr, Neuköllner Oper, Karl-Marx-Str. 131–133, Neukölln. Regie: Martin G. Berger, musikal. Ltg.: Oliver Imig; mit Inka Löwendorf, Guido Kleineidam u.a., Eintritt 19–28, erm. 11 €