Berlin-Brandenburg

Endmoräne im Endmoränenland

Weit gekommen: Der Künstlerinnenverein, der heißt wie ein geologisches Eiszeitprodukt, feiert seinen 25. Geburtstag mit Museumsreife

Aus dem Schaffen der Endmoräne: Susu Grunenbergs "An Bord", Performative Installation 2008
Susu Grunenberg/ Endmoräne e.V.

Aus dem Schaffen der Endmoräne: Susu Grunenbergs „An Bord“, Performative Installation 2008

Die Endmoräne ist zurück. Erneut zeigen in einem Sommer die Berliner und Brandenburger Künstlerinnen des Vereins „Endmoräne“ gemeinsam mit Gästen Kunst mit Bezug zum Ort irgendwo im Land Brandenburg. Und doch ist 2016 ein besonderes Jahr: Die sogenannte Sommerwerkstatt des Vereins, in der die Mitglieder Kunst für ein anderes, leer stehendes Haus in Brandenburg  konzipieren, findet zum 25. Mal statt. Und erstmals ist ein Museum dabei, das Dieselkraftwerk (DKW) in Cottbus, das alle vergangenen Ausstellungen der Endmoräne dokumentiert.
Gleich neben dem Museum im Cottbusser Zentrum findet die neue Sommerausstellung statt. Beim aktuellen Domizil handelt es sich weder um Schweineställe, noch um leere Kasernen oder ein altes Schloss wie oft in der Vergangenheit, sondern um eine  wasserkraftbetriebene Wollgarnspinnerei, die ein englischer Unternehmer um 1820 erbaut hatte. Während der November­revolution 1918, so berichtet eine Tafel am Gebäude, hatte hier der Arbeiter‑ und Soldatenrat seinen Sitz, darauf folgte bis 1927 die „Märkische Volksstimme“ mit ihrer Redaktion. Zuletzt wirkten hier die Städtische Bauverwaltung von Cottbus und das Museum für Natur und Umwelt. Seit­­ einigen Jahren steht das geschichtsträchtige Haus leer – ein Ort wie geschaffen, um von den aktuell rund 25  Künstlerinnen der Endmoräne bespielt zu werden.
1991 aus einem Zirkel um Erika Stürmer-Alex auf deren Kunsthof in Lietzen gegründet, atmet der Verein in seiner Satzung den Geist der Nachwendezeit. Er solle „Frauen gegenüber Männern zu Chancengleichheit verhelfen“ und die „Zusammenarbeit von Künstlerinnen Brandenburgs und Berlins fördern“. Dass er bis heute floriert, obwohl inzwischen nur noch zwei der Gründerinnen dabei sind, hat vor allem mit der Attraktivität der Sommerwerkstatt zu tun.
So war es bei der Berlinerin Susanne Ahner. Seit 2010 dabei, schätzt sie den „anderen Kontext“ jenseits von Museum und Galerie. Und die basisdemokratische Organisation des Vereins, auch wenn der Aufwand für die in der Vergangenheit nur jeweils für einige Wochenenden geöffneten Sommerausstellungen enorm ist. Es gilt nicht nur, jeweils einen leerstehenden Ort zu finden, ihn bei Behörden und Denkmalschutz genehmigen zu lassen, sondern ihn auch herzurichten und natürlich mit einer ortsbezogenen Arbeit zu thematisieren. ­Außerdem wird jedes Jahresprojekt mit ­einem Katalog dokumentiert.
Viel Arbeit also, die motiviert – trotz oder gerade wegen des Austauschs in der Gruppe zwischen Alt und Jung, Ost und West, Land und Stadt. „Gemeinsam lässt sich mehr erreichen“, sagt Susanne Ahner. Inzwischen kämen Bürgermeister bereits mit Angeboten auf die Endmoräne zu. Denn das Echo auf das Konzept, das ­„Fabrikruinen zu Wunderkammern“ („Taz“) verwandeln kann, war in den vergangenen 25 Jahren durchweg gut.
Auch in Cottbus wird wohl man wieder die Freude nachfühlen können, mit denen die Künstlerinnen sich ihrer Sache widmen. Auch wenn es aktuell um Themen wie Stadtumbau, Landschaftszerstörung und Deindustrialisierung in der Lausitz geht.

Bis 7.8.: Ehem. Museum der Natur und Umwelt sowie Museum Dieselkraftwerk, Am Amtsteich 15, Cottbus, Di–Fr 15–18, Sa/So 12–18 Uhr, 4/ erm. 3 €

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