Kulturpolitik

Erfolg schützt vor Debatte nicht

Höhe- und Tiefpunkte: Was von der Berlin Art Week 2017 bleibt

Die Ausstellungen sind eröffnet, die Messen gelaufen, und ein Ausruf wie: Na, bitte, geht doch, vermag die Eindrücke der prallvollen Tage der Berlin Art Week, die am 17. September endete, am besten auf den Punkt zu bringen. Allerdings bleibt Bedarf an Verbesserungen.

Der Vertrag der Bar Babette – Künstlerbar, Bühne und Debattensaal in einem – endet im Herbst 2018. Die Nicolas Berggruen Holdings GmbH will dann wohl an das Café Moskau vermieten
Foto: Amelie Losier/ Maik Schierloh

Zunächst aber die guten Nachrichten, war doch der Mittelpunkt der Woche, die 2017 in Trägerschaft der Koelnmesse in die Kunstmesse „Art Berlin“ transformierte Verkaufsschau „abc“ nicht nur gut besucht (laut Veranstalter 33.000 Eintritte), sondern wartete in der Kreuzberger Sta­tion auch mit Qualität made in Berlin auf, von Haegue Yang bei Barbara Wien bis Azade Köker bei Zilberman. Bei der Messe ­„Positions“ in der Treptower Arena mussten Plätze, die durch den Wechsel von Gale­rien zur „Art Berlin“ frei wurden, aufgefüllt werden. Das senkte das Niveau, aber Anbieter, die wie die Galerie C&K mit Andreas Amrheins komischbösen Acrylbildern auf Papier Gefragtes anboten, konnten buchstäblich punkten.

Bleiben die beachtlichen Ausstellungen der öffentlichen Häuser, die in der Kunstwoche begonnen haben: von Wilson Díaz’ malerisch angeordneter Sammlung politisch relevanter Schallplatten aus Kolum­bien in der DAAD-Galerie bis zur Werkschau von Moni­ca Bonvicini in der Berlinischen Gale­rie (Artikel links).

Schlechte Nachrichten kannte die Woche ebenfalls. So musste auf dem Podium der Projekträume zu Stadtentwicklung Thema werden, dass auch dem Gastgeber der Runde, der Bar Babette, das Ende ihres Mietvertrags droht. Und Sammler Thomas Olbricht fiel zur öffentlich geförderten Art Week nichts Besseres ein, als eine Stiftungssammlung aus den Arabischen Emiraten einzuladen. Unter dem bezeichnenden ­Titel „Portrait Of A Nation“ zeigt sie unfreiwillig, wie Kunst für die Happy Few aussieht, die unter Zensur entsteht.

Ein zentrales ­Forum aber, um Schieflagen zu diskutieren, ließ die Art Week vermissen. Dabei hatte das Literaturfestival nur eine Woche zuvor ein Beispiel dafür gegeben: mit einem Kongress, auf dem internationale Autoren und Wissenschaftler über drängende Themen wie Nationalstaat, Identitätspolitik, Populismus und Kultur sprachen.

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