Theatrales Forschungslabor

Von Ameisen lernen

Der Theaterparcours „Erschöpfte Demokratie“ stellt utopische ­Gesellschaftsmodelle vor

„Vertrauen Sie dem freien Denken“: Marc Fischer als Utopienführer – Foto: Meyer Orginals

Text: Friedhelm Teicke

Es sieht düster aus für die Demokratie. Die Konsenspolitik, die sich nach 1945 durchsetzen konnte und lange die ­Balance von Demokratie und liberalen Prinzipien sicherte, stellen gewählte Potentaten in Europa und den USA infrage. Nationalkonservative werden gewählt, die wissenschaftliche Fakten wie den Klimawandel leugnen und mit der Presse- und Meinungsfreiheit hadern. Umwelt, Flüchtlinge, Finanzen, alte Rezepte. Überall Krise.

Doch das freie Ensemble Theater 51-grad hält nichts von Dystopien, es erforscht lieber positive Möglichkeitsräume. Ihr Parcourstheater „Erschöpfte Demokratie“ ist, laut Untertitel, „ein Theaterabend zur angewandten Utopieforschung“ und findet deshalb auch in einem Forschungsinstitut statt, in den Räumen des Max-Planck-Instituts.

In einer Art theatralem Forschungslabor untersucht die Gruppe verschiedene utopische Modelle. „Vertrauen Sie dem freien Denken“, sagt ein blauäugig geschminkter Mann und lädt das Publikum ein, sich auf eine visionäre Reise in alternative Lebensentwürfe zu begeben: „Seien Sie versichert, Utopie ist ein Antidepressivum.“

Drei Utopien zur Ökonomie, Politik und Ökologie, also den großen Problemfeldern derzeit, werden in drei Räumen erkundet. Gesellschaften mit einem Ministerium für Glück und bedingungslosem Grundeinkommen werden vorgestellt oder das System eines Ameisenstaats als Paradebeispiel perfekter Selbstorganisation.

Der Zuschauer wird aufgefordert mittels Legosteinen, die für Postulate wie Arbeit, Bildung, Umwelt oder Soziales stehen, Prio­ritäten zu setzen. Das Stück verteidigt die Freiheit, über die eigene Zukunft und die zukünftiger Generationen mitbestimmen zu können: Wollen wir den sozialen Nationalstaat bewahren oder uns dem System des wirtschaftsliberalen Welthandels unterordnen? Oder gibt es einen dritten Weg? 

18.– 21.7., 20 Uhr, Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, Lentzeallee 94, Zehlendorf, Eintritt 15, erm. 10 €, Reservierung: 0160-8020996, info@theater-51grad.com

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